Europawahl : Forschungsgruppe: Keine Testwahl für den Bund

Für die Gewinne und Verluste der Parteien sind vor allem die aktuelle innenpolitische Situation und die geringe Wahlbeteiligung verantwortlich; europapolitische Themen spielten dagegen kaum eine Rolle. Das ergibt eine Wahlanalyse der Forschungsgruppe Wahlen.

BerlinFür 57 Prozent der Befragten stand bei ihrer Entscheidung die Bundespolitik, nur für 36 Prozent das Geschehen in Straßburg und Brüssel im Vordergrund. Als Testwahl für die Entscheidung im Bund im September ist sie jedoch nicht geeignet – schon allein deshalb, weil im September bei der Bundestagswahl rund doppelt so viele Wähler an der Wahl teilnehmen werden wie jetzt. Bei niedriger Wahlbeteiligung gelingt es der Union traditionell besser ihre Wählerschaft zu mobilisieren als der SPD. Auch der Anteil der Splitterparteien wird bei der Bundestagswahl wesentlich niedriger sein.

Die SPD konnte an der Wahlurne nicht davon profitieren, dass ihr Parteiansehen auf der +5/-5-Skala im Vergleich zu 2004 erheblich gewachsen ist. Mit einer Bewertung von 0,8 (2004: minus 0,4) rangiert die SPD jetzt auf einem Niveau mit der CDU/CSU (0,9; 2004: 0,5). War die Europawahl 2004 vor allem ein Votum gegen die damalige Bundesregierung, bekommt die Große Koalition mit 0,5 jetzt eine wesentlich bessere Note als Rot-Grün 2004 (minus 1,3). Für die erneut geringe Wahlbeteiligung ist weniger Verdruss oder Europaskepsis verantwortlich, sondern vielmehr Desinteresse und die als gering wahrgenommene Bedeutung der europäischen Parlamentsebene. Während sich ganz allgemein 45 Prozent der Befragten stark für Politik interessieren, sind es mit Blick auf Europa nur 30 Prozent.

Mit 48 Prozent erzielt die Union bei Wählern ab 60 Jahren ihr bestes Ergebnis, in allen anderen Altersgruppen schneidet sie schwächer ab, bei den 30- bis 44-Jährigen sind es 34 Prozent, bei den 45- bis 59-Jährigen 33 Prozent und bei den unter 30-Jährigen nur noch 29 Prozent. Die SPD kommt ebenfalls bei den Wählern ab 60 Jahren auf ihr bestes Ergebnis (25 Prozent), zu den anderen Altersgruppen ist der Abstand aber nicht ganz so groß, am schlechtesten schneidet sie bei den 30- bis 44-Jährigen mit 17 Prozent ab. Auch in allen Bildungsgruppen wird die Union stärkste Partei. Umgekehrt schneiden die Grünen und die FDP bei Wählern mit höherem Bildungsabschluss am besten ab (Grüne: 23 Prozent, FDP: 13 Prozent).

Die Zahlen basieren auf einer telefonischen Befragung der Forschungsgruppe Wahlen unter 1 333 zufällig ausgewählten Wahlberechtigten in der Woche vor der Wahl sowie auf einer Befragung von 19 888 Wählern am Wahltag. Tsp

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