Europawahl : Pfadfinder: Die Europabeauftragten

Jeder Bezirk hat einen Europabeauftragten. Hauptaufgabe: Fördertöpfe auftun.

Rita Nikolow
Winkelhoefer
Stephan Winkelhöfer -Foto: privat

Ein knappes Jahr hat es schon gedauert, bis sich Stephan Winkelhöfer zurechtgefunden hat im Verwaltungsdschungel der EU. „Die entscheidenden Informationen laufen über ganz verschiedene Kanäle“, sagt der 33-Jährige, der seit 2007 als bezirklicher Europabeauftragter in Mitte arbeitet. Deshalb musste er sich zunächst „reinfuchsen“ und ein stabiles Netzwerk aufbauen. Denn im Mittelpunkt von Winkelhöfers Arbeit stehen die Fördertöpfe der EU – von denen möglichst viele im Bezirk profitieren sollen. EU-Beauftragte gibt es in Berlin seit neun Jahren. In einigen Bezirken sind sie dem Bürgermeister zugeordnet, in anderen bei der Wirtschaftsförderung angesiedelt.

Mittes EU-Beauftragter kann viel tun: „Wenn ich Programme sehe, die zu bestimmten Projekten passen, gebe ich diesen Trägern einen Tipp.“ Und er unterstützt sie bei der Formulierung der Anträge – oder legt ein Begleitschreiben bei: „Das machen wir relativ häufig, für die Träger ist das eine moralische Unterstützung.“ 2008 habe er rund 100 Projekte zum Thema Fördertöpfe beraten.

Mit dem Europäischen Sozialfonds (ESF) kann in die „Köpfe der Menschen investiert werden“, sagt Stephan Winkelhöfer. Also etwa in deren Beschäftigungsfähigkeit, die durch Sprachkurse oder weiterführende Qualifizierungen verbessert wird. Andere Programme, zum Beispiel eines für lokale Beschäftigungsförderung, stellen jedem Bezirk eine festgelegte Summe zur Verfügung. „Bei anderen Projekten bekommt derjenige Träger den Zuschlag, der seinen Bedarf am ehesten darstellen kann oder den besten Antrag stellt“, sagt Winkelhöfer, der sich einen kleinen blau-gelben EuropaPin an sein Jackett gesteckt hat.

Viele Programme sind an festen Kriterien ausgerichtet, zum Beispiel an bestimmten Sozialdaten: so auch die Einrichtung von Quartiersmanagement-Gebieten, die ebenfalls mit EU-Geldern finanziert werden. Voraussetzung für deren Einrichtung ist unter anderem, dass es im Quartier eine überdurchschnittlich hohe Zahl an Arbeitslosen und Empfängern von Transferleistungen gibt. Eine Übersicht darüber, wie viele Fördergelder die einzelnen Bezirke aus den EU-Töpfen in Anspruch nehmen, gibt es nicht: Denn die Ausgaben werden nicht nach Bezirken erfasst, sondern nach Fachbereichen.

Ein Projekt, das in Mitte seit 2006 mit EU-Mitteln finanziert wird, ist die „Ferienschule“, die an der City-Volkshochschule ausgerichtet wird. Rund 60 Oberschüler mit Migrationshintergrund können dort in den Herbst-, Winter-, Oster- und Sommerferien zusätzlichen Unterricht bekommen. Der Europäische Sozialfonds unterstützt das Projekt mit 280 000 Euro, die Gesamtfördersumme liegt bei 550 000 Euro – die zweite Hälfte des Geldes kommt, wie bei allen EU-geförderten Projekten, vom Land oder vom Bund.

„Mit den EU-Geldern können wir neue Ansätze fördern, die sonst nicht zu finanzieren wären“, erklärt Stephan Winkelhöfer. Er bemüht sich auch, dass die Projekte nach dem Förderzeitraum von drei Jahren fortgesetzt werden können. Er organisiert zudem den Austausch von Mitarbeitern aus dem Bezirksamt mit Verwaltungsangestellten aus anderen europäischen Ländern: Mittes Behindertenbeauftragte etwa hat einige Wochen im britischen Preston verbracht – wo der Umgang mit behinderten Menschen ganz anders organisiert wird. „Unsere Kollegin ist mit vielen Ideen zurückgekommen, mit denen wir das ehrenamtliche Engagement stärken können“, sagt Winkelhöfer.

Über die Europa-Wahlen informiert Stephan Winkelhöfer natürlich auch – auf seiner Homepage. „Europa ist eine gute Idee“, sagt Stephan Winkelhöfer. Die natürlich in manchen Punkten noch verbesserungswürdig sei. Eine Sprechstunde hat der EU-Beauftragte übrigens nicht – er macht lieber „Hausbesuche“ bei den Trägern. Und bringt dabei immer ein bisschen Europa mit. Rita Nikolow

Mehr Infos: http://www.berlin.de/ba-mitte/org/europabeauftragte/

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