Politik : Evangelische Kirche bremst ihre Reformen

Dresden - Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) rückt von ihren ehrgeizigen Reformzielen ab. Vor einem Jahr forderte der Rat der EKD, die jetzt 23 Landeskirchen sollten zu acht bis zwölf fusionieren. Jede solle künftig mindestens eine Million Mitglieder haben. Davon spricht auf der Synode der EKD in Dresden keiner mehr. Ebenso wenig war am Montag bei der Debatte über den Reformprozess von „Taufquoten“ oder von der Verdopplung der „Kirchgangfrequenz“ die Rede.

Diese Zahlen und Begrifflichkeiten seien in der EKD „nicht konsensfähig“ gewesen, sagte Eberhard Hauschildt, Theologe an der Universität Bonn. Auch sei die Vorstellung, man könne die Zahl der Landeskirchen bis 2030 halbieren, „nicht realistisch“. Eine durchschlagende Reform „einfach von oben her“ sei weder möglich noch wünschenswert. Zugleich beklagte Hauschildt ein „Leitungsvakuum auf allen Ebenen der Kirche“. Entscheidungen würden vor allem von starken Persönlichkeiten und informellen Zirkeln geprägt. Etliche Kirchenparlamentarier vermissten die „Aufbruchstimmung“. Andere freuten sich, dass die Reformen in eine „Phase der Entschleunigung“ getreten seien. „Entschleunigung ist gut, wenn man das Ziel nicht aus den Augen verliert“, sagte Katrin Göring-Eckardt, Synodale und Bundestagsvizepräsidentin. clk

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