Politik : Evangelische Kirche würdigt Schuldbekenntnis als Durchbruch

Das Schuldbekenntnis des Papstes verdient nach Meinung des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Manfred Kock, "Dank und Respekt". Im Südwestrundfunk betonte Kock am Dienstag, Johannes Paul II. habe sich mit seinen Äußerungen als Kirchenleiter "der schuldbeladenen Vergangenheit der Kirche" gestellt. Das "Mea Culpa" vom vergangenen Sonntag beurteilte Koch als "Durchbruch". Er nahm die Erklärung des Papstes auch gegen den Vorwurf in Schutz, sie sei zu allgemein gehalten: "Es ist auch ein Grat, bei dem die katholische Kirche immer wieder darauf zu achten hat, dass sie nicht links oder rechts runterfällt."

Man müsse berücksichtigen, dass etwa die evangelische Kirche mit ihrer reformatorischen Tradition schon immer die Möglichkeit gehabt habe, Irrtümer zuzugeben. Für die Katholiken sei dies "etwas Neues und etwas Kompliziertes". Der EKD-Ratsvorsitzende erklärte, Bewegung erwarte er jetzt auch im Verhältnis der beiden christlichen Kirchen zueinander.

Nachbesserungen des Schuldeingeständnisses hält Kock zum Punkt Antisemitismus für möglich: "Ich glaube, dass wird sich weiterentwickeln." Er könne "auch verstehen, dass mit jüdischen Ohren diese Bekenntnisse noch zu allgemein sind". Zu den von jüdischer Seite vermissten konkreten Aussagen bemerkte Koch: "Ich weiß nicht, unter welchen Pressionen der Papst selbst gestanden hat, um auch solche Konkretionen zu vermeiden." Inwieweit die Vergebungsbitte des Papstes zukunftsgerichtet ist, werde sich auch am konkreten Verhältnis zwischen katholischer Kirche und dem Staat Israel zeigen. Hier werde der bevorstehende Papstbesuch in Israel möglicherweise "eine Gelegenheit zur Konkretion bieten".

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