Politik : Evangelisches Hifswerk stellt neue Grundsatzerklärung vor

Das evangelische Hilfswerk "Brot für die Welt" will künftig den politischen Einsatz für die Anliegen der Menschen in Entwicklungsländern stärker in den Vordergrund rücken. Das Werk interpretiere den Slogan "Jede Mark nach Übersee" heute neu, sagte die neue Direktorin des Hifswerks, Cornelia Füllkrug-Weitzel, am Donnerstag bei der Vorstellung einer Grundsatzerklärung. Es reiche nicht mehr, Geld zum Kauf eines Pfluges zur Verfügung zu stellen. Die Programme müssten durch Lobbyarbeit in Deutschland und internationale Netzwerke ergänzt werden. Dazu gehört beispielsweise die Kampagne gegen Kinderarbeit in der Teppichindustrie. Füllkrug-Weitzel, die am Donnerstag die Nachfolge von Hans-Otto Hahn an der Spitze von "Brot für die Welt" antrat, sagte: "Die Partner verlangen von uns Einflussnahme auf internationale Organisationen wie die Welthandelsorganisation."

Die Erklärung "Den Armen Gerechtigkeit 2000" ist eine Aktualisierung der vor elf Jahren vorgelegten Grundsatzerklärung. Bei einer Konsultation mit Vertretern von Partnerorganisationen in dieser Woche in Stuttgart stieß die neue Erklärung auf Zustimmung. Sie sei eine "moralische Injektion" gegen die vorherrschende Marktlogik, sagte die indische Ökofeministin Vandana Shiva, Trägerin des alternativen Nobelpreises, am Donnerstag. Ein Wandel zu Gunsten der Armen werde von "Netzwerken der Solidarität" herbeigeführt, zu denen Brot für die Welt seinen Beitrag leiste.

Das Hilfswerk kündigte an, seine Arbeitsbereiche enger zu verzahnen. Neben den Projekten in Afrika, Asien und Lateinamerika zählt das Werk dazu Öffentlichkeitsarbeit, die "Wahrnehmung der globalen Verantwortung" und die Förderung des internationalen Dialogs. Die 162 Punkte umfassende Erklärung bildet eine Bestandsaufnahme der 40-jährigen Arbeit des Hilfswerks und soll Orientierung für die Zukunft geben. Die Weltwirtschaft müsse verstärkt politischer und gesellschaftlicher Regulierung unterworfen werden, heißt es darin. Brot für die Welt verlangte eine Förderung des "fairen Handels", eine öffentliche Kontrolle transnationaler Konzerne und die Einschränkung von Waffenexporten. Von der Bundesregierung fordert das Hilfswerk, der Armutsbekämpfung in der Entwicklungshilfe größeres Gewicht zu verleihen.

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