Politik : Ewig an der Spitze

Baden-Württembergs Ministerpräsident Teufel will noch eine ganze Weile amtieren. Das macht seine CDU zusehends nervös

Bettina Wieselmann

Zu den unerschütterlichen Gewissheiten Erwin Teufels gehört seine in zwölfeinhalb Jahren langen Wartens gemachte Erfahrung: „Das Amt muss zum Manne kommen." Vor fast genau 13 Jahren kam es: Teufel, der damalige CDU-Fraktionschef im Stuttgarter Landtag, beerbte den zum Rücktritt gezwungenen Lothar Späth und wurde endlich Ministerpräsident.

Seit geraumer Zeit treibt nicht wenige in der baden-württembergischen CDU (und durchaus auch darüber hinaus) die Frage um, wann sich denn Mann und Amt je wieder trennen, wie die Partei Generationswechsel und Machterhalt unter einen Hut bekommt. Der Amtsinhaber, inzwischen längst mit dem Etikett „der ewige Erwin“ versehen, aber kann wie nie zuvor auf hohes Ansehen in der Bevölkerung bauen, was es ihm nebenbei noch leichter macht, immer öfter Fraktion und Kabinett zu schurigeln. Er hält die Fragen, wann er denn abtrete, zur Unzeit gestellt und verweist mit der Beharrlichkeit einer tibetanischen Gebetsmühle auf die Tatsache, bis zum nächsten Urnengang im Frühjahr 2006 gewählt zu sein. Weitere Überlegungen stünden derzeit nicht an.

Während sich die wachsende Unruhe in der Partei, die seit 50 Jahren ununterbrochen den Regierungschef stellt, bisher aber nur in der Kulisse festmachen ließ, brach sie sich auf dem Parteitag im Dezember unerwartet Bahn. Bei der geheimen Wiederwahl zum Landesvorsitzenden verpasste die CDU Erwin Teufel einen schmerzhaften Denkzettel: Nur 76,9 Prozent der darob nachträglich selbst etwas erschrockenen Delegierten scharten sich noch hinter ihrem 64-jährigen Vormann.

Weil Teufel voller Unverständnis und tief getroffen reagierte, öffentlich „Intrigen" witterte und „Drahtzieher" ächtete, war der Skandal erst perfekt. Ohne Namen genannt zu haben, war nämlich nur zu klar, wen Teufel im Visier hat: Günther Oettinger, der seit 1991 an der Fraktionsspitze steht und nicht nur deshalb, sondern auch wegen unstrittiger Kompetenz als chancenreichster Nachfolger gilt. Freilich, schon aus taktischen Gründen würde der von Teufel ungeliebte Kronprinz im Wartestand nicht von seiner „bis zum Anschlag“ geübten Loyalität lassen. Königsmörder, weiß der 50-Jährige, liebt man nicht. Mit der stellvertretenden CDU-Bundesvorsitzenden und Kultusministerin Annette Schavan hat Oettinger zudem eine nicht zu unterschätzende Konkurrentin, die sich ihrerseits des ausdrücklichen landesväterlichen Wohlwollens erfreut.

Viel spricht dafür, dass Erwin Teufel, dem die Konstellation mit den sich scharf beäugenden Möchtegern-Nachfolgern nicht unrecht ist, das Drehbuch für den Wechsel ganz allein schreiben will. Erst Ende 2005 werde entschieden, ob er noch einmal antrete, lautete seine Weihnachtsbotschaft ans verunsicherte Parteivolk. Für denkbar scheint er zu halten, dann als Regierungschef mit einer von der Partei nominierten Spitzenkandidatin in den Wahlkampf zu ziehen. Dass die Fraktion so lange still hält, auf einen Kandidaten mit dem Amtsbonus des Regierungschefs verzichtet und sich zum bloßen Vollzugsorgan machen ließe, wird allerdings für unwahrscheinlich gehalten. Schon rät der hochangesehene, gerade erst wieder mit dem bestem Wahlergebnis in den CDU-Vorstand eingerückte Stuttgarter Alt-Oberbürgermeister Manfred Rommel, Teufel möge sich möglichst bald erklären.

Ja, käme noch einmal das Amt zum Manne, wären die baden-württembergischen Christdemokraten schon im Mai des Problems ledig. Doch nicht einmal glühende Anhänger räumen Erwin Teufel eine wirkliche Chance ein, der nächste Bundespräsident zu werden.

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