Politik : Ewig mobil

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Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Das Perpetuum mobile, bekanntlich, funktioniert nicht. Im Physik-Unterricht – nicht erschrecken, bitte! – haben wir den Energieerhaltungssatz gelernt: Kein Ding kann mehr Energie abgeben, als man reinsteckt. Und: Alles, was sich bewegt, wird gebremst. Die Luft bremst, die Reibung in den Achslagern bremst, das Rad wird langsamer, langsamer, langsamer. Diese Erkenntnis hat bis heute Tüftler, Spinner und Scharlatane nicht gehindert, immer neue Perpetua mobilia zu basteln. Die übergroße Mehrzahl aller Erfolgsmeldungen beruhte darauf, dass die Gutachter nicht sorgsam genug hingeguckt haben. Im Vakuum zum Beispiel dreht sich ein gut gelagertes Rad sehr, sehr lange, ohne dass man merkt, dass es langsamer, langsamer, langsamer wird. Damit wären wir beim jüngsten Versuch.

Es handelt sich um ein sehr großes Rad, an dem ein gewisser Jürgen W. Möllemann zu drehen angefangen hat. Das Rad hat viel Wind gemacht, ist davon aber nicht gebremst, sondern im Gegenteil immer schneller geworden. Einige Forscher vermuten, dass die als Lagerung gewählte, in der Patentschrift so genannte „Westerwelle“ für den scheinbar schwere- und reibungslosen Lauf sorgt. Andere Experten halten die rätselhafte Beschleunigung für ein Resonanz-Phänomen. Der Wind, der um das Rad brause, stamme gar nicht von dem Mobile, sondern werde von den umstehenden Betrachtern verursacht; das Gerät rotiere nicht aus eigener Kraft, sondern nur mittels von außen zugeführter Erregungsenergie. Leider ist der Beweis für die These schwer zu führen. Man müsste für einige Tage und Wochen jede Aufmerksamkeit von dem Rad wenden. Aber dafür lärmt es zu laut. Robert Birnbaum

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