Ex-Bischof Fernando Lugo : Babyaffäre um Paraguays Staatschef

Ex-Bischof Fernando Lugo erkennt drei uneheliche Kinder an. Wie viele Kinder Paraguays Staatschef wirklich hat, bleibt aber weiter unklar.

Sandra Weiss

Quito - „Ich bitte das Land und die Kirche um Verzeihung.“ So versuchte Paraguays Präsident Fernando Lugo am Wochenende einen Schlussstrich unter die Babyaffäre zu ziehen, die das südamerikanische Land seit Wochen in Atem hält. „Wie viele uneheliche Kinder hat der ledige Ex-Bischof wirklich?“ fragen sich die Paraguayer, nachdem in kurzem Abstand drei Frauen auftauchten, die den 57-Jährigen aufforderten, seine väterlichen Pflichten zu übernehmen. Eine Antwort darauf blieb Lugo auch am Freitag schuldig: „Ich beichte nur bei meinem Beichtvater“, antwortete er.

Auslöser des Skandals war eine vernachlässigte Liebhaberin. Die 26-jährige Viviana Carillo reichte eine Vaterschaftsklage ein, nachdem sich Lugo von ihr distanziert und der argentinischen Presse zufolge eine Romanze mit einem drallen, blonden Model aus dem Nachbarland angefangen hatte. Lugo sei Vater ihres zweijährigen Sohnes Guillermo Armindo, erklärte die Frau. Lugo zögerte kurz und erkannte dann öffentlich die Vaterschaft an. Gegenüber den Medien verteidigte er zwar das Zölibat, rechtfertigte sich aber mit einer „vorübergehenden Schwäche“.

Als der Skandal schon abflaute, versetzte eine zweite Enthüllung die Nation in Aufregung. Eine weitere Dame meldete sich, die angeblich ein Kind mit dem Präsidenten hatte. Lugo sei der Vater ihres sechsjährigen Sohnes Lucas Fernando, sagte die 27-jährige Verkäuferin Benigna Leguizamon und reichte Klage ein. Sie sei wegen ihrer schwierigen ökonomischen Situation damals zu dem Bischof der Diözese von San Pedro gekommen, der ihre Lage ausgenützt habe, sagte Leguizamon. Lugo erklärte sich in dem Fall zu einem DNA-Test bereit.

Am Donnerstag schließlich kam der dritte Fall. Die 39-jährige Lehrerin Damiana Moran erklärte, sie habe Lugo durch ihre kirchlichen Aktivitäten kennengelernt und daraus sei eine „große Liebe“ entstanden sowie ihr mittlerweile 16 Monate alter Sohn Juan Pablo. Der Präsident habe nichts von ihrer Schwangerschaft gewusst, da sie ihn während seiner Kampagne nicht damit belasten wollte, erklärte sie. Nach einem Telefongespräch mit dem Präsidenten habe sie sich entschlossen, die Wahrheit zu sagen, bevor Lugos Gegner „irgendwelche Geschichten“ in die Welt setzten. Eine Vaterschaftsklage plane sie nicht, da sie mit dem Anwalt Lugos einvernehmlich die nötigen Schritte zur Anerkennung eingeleitet habe, erklärte Moran.

Lugos Gegner wittern Morgenluft – die Colorado-Partei, die Lugo mit seiner linksliberalen Plattform voriges Jahr nach sechs Jahrzehnten Korruption und Machtmissbrauch besiegt hatte. Und auch seine Verbündeten, die unzufrieden sind mit den ihnen zugeteilten Posten. Keine Überraschung war das Ganze für die Kirche. Die katholische Bischofskonferenz bat zwar um „Vergebung für die Sünden der Kirchenmitglieder“, aber Bischof Rogelio Livieres Plano erklärte, er und die Nuntiatur hätten schon lange von den Abenteuern Lugos gewusst. Das und nicht die Politik sei der Grund gewesen, warum der Vatikan Lugo 2006 suspendiert habe. Seit Juli 2008 ist er in den Laienstand zurückversetzt. Sandra Weiss

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