Politik : Ex-General wird Präsident in Indonesien

Moritz Kleine-Brockhoff

Jakarta - In Indonesien haben sich die Wähler bei der Stichwahl um das Präsidentenamt nach Hochrechnungen für einen Regierungswechsel entschieden. Nach Schließung der Wahllokale berichteten mehrere Institute, Präsidentin Megawati Sukarnoputri habe etwa 40 Prozent der Stimmen und ihr Herausforderer Susilo Bambang Yudhoyono rund 60 Prozent erhalten. Die Wahlkommission veröffentlichte nach Auszählung von über 19 Millionen Stimmen die gleichen Zahlen. Das offizielle Ergebnis soll erst am 5. Oktober bekannt gegeben werden.

Der Wahltag verlief weit gehend ruhig. „Wir haben keine gravierenden Verstöße festgestellt“, so das Fazit eines internationalen Wahlbeobachters. Die Indonesier hatten in diesem Jahr bereits zwei friedliche Wahlgänge absolviert. Im April war das neue Parlament bestimmt worden, im Juli fand die erste Runde der Präsidentschaftswahl statt. Bis 1998 regierte in Indonesien ein Militärregime, mit Asiens Finanzkrise stürzte General Suharto, seitdem läuft der Demokratisierungsprozess. Obwohl 90 Prozent der gut 150 Millionen Wahlberechtigten Muslime sind, schnitten in diesem Jahr islamische Kandidaten viel schlechter ab als die säkularen Kräfte. Zu ihnen gehören auch Megawati Sukarnoputri und Susilo Bambang Yudhoyono.

Allgemein wird erwartet, dass die Präsidentin eine Niederlage akzeptiert. Die Tochter des Staatsgründers Sukarno hatte Indonesien seit Mitte 2001 regiert, doch Probleme wie hohe Arbeitslosigkeit und Korruption löste sie nicht. Wahlsieger Susilo war lange Kabinettsmitglied, distanzierte sich aber durch seinen Rücktritt im März von Megawati. Der 54-Jährige ist pensionierter Vier-Sterne-General, der schon zur Zeit von Suharto zu den Reformern innerhalb des Militärs zählte.

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