Ex-Grüner Oswald Metzger : Mit Selbstbewusstsein in die CDU

Oswald Metzger hat sich entschieden, er wird in die CDU eintreten und im kommenden Jahr für den Bundestag kandidieren. Seine Entscheidung verkündet er selbstbewusst: Gerade die Union brauche ein starkes wirtschaftspolitisches Profil. Der Kreisverband ist irritiert, von Metzgers Plänen hat auch der Vorsitzende nur aus der Zeitung erfahren.

Oswald Metzger Foto: ddp
Oswald Metzger: Will der Union wirtschaftspolitisches Profil verleihen. -Foto: ddp

BiberachDer ehemalige Grünen-Politiker Oswald Metzger will der CDU beitreten - ein Schritt, den die Bundes-CDU begrüßte. Generalsekretär Ronald Pofalla sagte: "Wir freuen uns über jedes neue Mitglied, das sich zu unseren Werten bekennt. Herzlich Willkommen!" Seinen Aufnahmeantrag hat Metzger nach eigenen Angaben beim CDU-Kreisverband Biberach eingereicht.

Metzger strebt an, bei der Bundestagswahl 2009 Direktkandidat im schwäbischen Biberach zu werden. Eine Absprache mit der CDU über eine Kandidatur gibt es seinen eigenen Angaben zufolge allerdings nicht. Er habe mit niemandem in der CDU über seinen Parteieintritt gesprochen. "Mein politisches Schicksal liegt in der Hand der Mitglieder." Wenn die CDU im Wahlkreis Biberach ihn nicht nominiere, bedeute das sein Aus als Berufspolitiker. "Es gibt keinen Plan B", sagte Metzger.

Der CDU-Kreisverband Biberach wusste offenbar tatsächlich nichts von dem geplanten Beitritt Metzgers. Der Kreisverbands-Vorsitzende Josef Rief sagte: "Ich finde es ungewöhnlich, dass er vorher mit niemandem in der CDU korrespondiert hat." Der Kreisverband muss über die Aufnahme Metzgers in die CDU entscheiden.

Biberacher Abgeordneter rechnet mit einer Ablehnung von Metzgers Mitgliedsschaftsantrag
 
Metzgers angestrebten Wechsel in die CDU habe er erst aus der Presse erfahren, sagte Rief. Das Beitrittsgesuch werde nun genau wie jedes andere behandelt. "Ich habe Metzger bisher immer nur als politischen Konkurrenten gekannt. Wir haben 30 Jahre gegeneinander Wahlkampf geführt", sagte Rief. Biberach gilt als CDU-Hochburg, womit die Chancen einer Direktkandidatur gut sind.

Der Biberacher CDU-Bundestagsabgeordnete Franz Romer rechnet damit, dass Metzger die Mitgliedschaft in der CDU verwehrt wird. "Ich gehe von einer Ablehnung seines Antrags im Kreisvorstand aus", sagte Romer der "Schwäbischen Zeitung". Bei einer Ablehnung des Antrags durch den Kreisvorstand müsste die Mitgliederversammlung entscheiden, sagte Romer. Auch dort sei eine Zustimmung aber nicht sicher. "Oswald Metzger war schon bei der SPD und bei den Grünen, er will sich nur selbst darstellen. Aufgrund seiner Vergangenheit ist er bei uns nicht willkommen", sagte der Abgeordnete, der bislang für den Wahlkreis Biberach im Bundestag sitzt, beim nächsten Mal aus Altersgründen jedoch nicht mehr kandidieren möchte.

Metzger lehnt FDP-Angebote aus Ostdeutschland und dem Saarland ab

Metzger war vor vier Monaten nach 21 Jahren Mitgliedschaft bei den Grünen ausgetreten und hatte dies mit einem "persönlichen und programmatischen Entfremdungsprozess" begründet. Dabei hatte er angekündigt, in Zukunft entweder für die CDU oder für die FDP Politik machen zu wollen.

Seine Entscheidung für die CDU begründete er jetzt damit, dass diese "werteorientierter" als die FDP sei. Die FDP sei "zu stark egoistisch auf das Hier und Jetzt konzentriert". Metzger hatte eigenen Angaben zufolge in den vergangenen Monaten Angebote von der FDP im Saarland und in Ostdeutschland erhalten.

Mit Blick auf die CDU sagte Metzger, diese biete für seine marktwirtschaftlichen Überzeugungen einen "größeren Resonanzraum", als es ihn jemals bei den Grünen gegeben habe. Gerade die Union brauche ein starkes wirtschaftspolitisches Profil. Er wolle sich in der CDU "gegen den Zeitgeist der alten Volksbeglückungspolitik", wie ihn Linke-Chef Oskar Lafontaine verkörpere, stark machen.

Für die Grünen ist Metzger Vergangenheit

FDP-Generalsekretär Dirk Niebel kommentierte die Entscheidung Metzgers mit den Worten: "Wir wünschen Oswald Metzger alles Gute unter den Konservativen." Niebel äußerte sich skeptisch zur Durchsetzungskraft des Ex-Grünen. "Ein Metzger allein" mache "noch keinen marktwirtschaftlichen Frühling bei der Union".

Die Partei- und Fraktionsspitzen der Grünen reagierten kühl auf den angekündigten Wechsel. "Reisende soll man nicht aufhalten", sagte Parteichefin Claudia Roth am Dienstag in Berlin. Fraktionschefin Renate Künast sagte ironisch: "Nach Monaten des Mitfieberns und Zitterns bei der Brautschau weiß die Republik endlich Bescheid: Oswald Metzger hat sich entschieden!" Die Grünen-Landesvorsitzende in Baden-Württemberg, Petra Selg, sagte, für ihre Partei sei Metzger "Vergangenheit". Seinen Austritt nach 20 Jahren hatte Metzger bereits Ende November bekanntgegeben.

Metzger saß von 1994 bis 2002 als Haushaltsexperte der Grünen im Bundestag. Zuletzt war er Mitglied des baden-württembergischen Landtags, legte sein Mandat aber im Februar 2008 im Zuge seines Parteiaustritts bei den Grünen nieder. (nim/dpa/ddp)

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