Politik : Ex-Guantanamo-Häftlinge stehen in Paris vor Gericht

Hans-Hagen Bremer

Paris - Für die Staatsanwaltschaft sind sie gefährliche Terroristen. Doch nur einer von ihnen wird von Polizeibeamten als Gefangener in die kugelsichere Glasbox des Gerichtssaals geführt. Die anderen befinden sich auf freiem Fuß und können ihre Plätze auf der Anklagebank in den Verhandlungspausen unbehindert verlassen. Das ist nur eine Besonderheit des Prozesses, bei dem sich sechs ehemalige französische Häftlinge des US-Gefangenenlagers Guantanamo vor einer Pariser Strafkammer verantworten müssen. Den zwischen 25 und 38 Jahre alten Angeklagten wird die „Zugehörigkeit zu einer kriminellen Vereinigung mit terroristischer Zielsetzung“ vorgeworfen. Ihnen drohen bis zu zehn Jahren Haft.

Laut Anklageschrift hielten sich die sechs Männer vor 2001 in Talibanlagern in Afghanistan auf, wo fünf von ihnen eine militärische Ausbildung und der sechste eine integristische religiöse Unterweisung erhalten haben sollen. Sie hätten sich damit in einen Gesamtplan eingefügt, der auf „ganz natürliche Weise“ für sie vorsah, „Kämpfer im Dienst von Al Qaida zu werden“. Nach ihrer Gefangennahme in Pakistan wurden sie Anfang 2002 nach Guantanamo gebracht, wo sie drei Jahre „als feindliche Kämpfer“ in Militärgewahrsam zubrachten. Nach ihrer Auslieferung an Frankreich wurden sie unter Terrorismusverdacht erneut eingesperrt. Bis auf den 34-jährigen Brahim Yadel, gegen den ein früheres Verfahren schwebt, wurde zuletzt die Untersuchungshaft für alle aufgehoben.

Mit dem Prozess erfüllt die französische Justiz die Bedingung, die die USA zur Voraussetzung ihrer Freilassung gemacht hatte. Die Angeklagten bestreiten, Terrorpläne geschmiedet zu haben. „Afghanistan war damals sehr in Mode“, sagte der 29-jährige Imad Kanouni auf Fragen des Richters. Er habe gehofft, den Islam voll ausleben zu können. Ein anderer Angeklagter, der 26-jährige Nizar Sassi, erklärte, er habe das Abenteuer gesucht, um dem langweiligen Alltag in einem Lyoner Vorort zu entkommen. Die Verteidiger machen geltend, dass ihren Mandanten „keine einzige konkrete Tat“ zum Vorwurf gemacht werde. Die Anklage beruht nach ihrer Ansicht auf Aussagen, die von den Angeklagten außerhalb der richterlichen Untersuchung von französischen Beamten in Guantanamo eingeholt wurden und sei daher rechtlich zweifelhaft.

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