Ex-Machthaber Musharraf : Pakistans Justiz schlägt zurück

Mehrere Verfahren gegen Ex-Machthaber Musharraf.

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Verhärtete Fronten: Im pakistanischen Rawalpindi kam es zu Ausschreitungen zwischen Musharraf-Anhängern und Anwälten, die gegen den ExMilitärmachthaber demonstrierten. Foto: dpa Foto: dpa
Verhärtete Fronten: Im pakistanischen Rawalpindi kam es zu Ausschreitungen zwischen Musharraf-Anhängern und Anwälten, die gegen...Foto: dpa

Neu-Delhi - „Hund, Hund, Musharraf, du Hund“, schreien rund 150 Anwälte in schwarzen Roben hasserfüllt, als Pervez Musharraf in Sicht kommt. Am Dienstag musste Pakistans inhaftierter Ex-Militärherrscher erstmals vor einem Anti-Terror-Gericht erscheinen, wenn auch nur für 15 Minuten. Doch die Anhörung begann mit tumultartigen Szenen. Die Anwälte nutzten die Gelegenheit, um den 69-Jährigen öffentlich zu demütigen. „Hund“ ist eines der schlimmsten Schimpfwörter in islamischen Ländern, da Hunde als „unrein“ gelten. Anwälte und Musharraf-Fans attackierten einander mit Steinen und Stöcken.

Das Schicksal des gefallenen Generals hält Pakistan weiter in Atem. Die Justiz überzieht den einst mächtigsten Mann des Atomstaates, der im März nach vier Jahren im Exil zurückgekehrt war, um an den Wahlen am 11. Mai teilzunehmen, gleich mit einer ganzen Welle von Verfahren. Am Samstag hatte ihn ein Gericht für 14 Tage unter Hausarrest in seiner Villa gestellt. Die Richter brachen damit ein Tabu: Musharraf ist der erste Ex-Militärherrscher in der 66-jährigen Geschichte des Landes, der inhaftiert wurde.

Am Dienstag ging es vor Gericht um die Ermordung der früheren Premierministerin Benazir Bhutto. Sie war am 27. Dezember 2007 bei einem Selbstmordattentat getötet worden. Die Täter wurden nie ermittelt, auch die Hintergründe blieben unklar. Musharraf wird vorgeworfen, damals als Machthaber nicht ausreichend für ihren Schutz gesorgt zu haben. Er nannte die Vorwürfe „politisch motiviert“.

Das Vorgehen der Justiz nimmt immer mehr Züge eines Rachefeldzuges an. So wurde Musharraf über Tage untersagt, seinen Anwalt zu sehen. Die Feindschaft reicht zurück ins Jahr 2007. Damals hatte Musharraf Pakistans Chefrichter Iftikhar Chaudhry und weitere 60 Richter abgesetzt und unter Hausarrest gestellt. Nun schlägt Chaudhry, der mit Oppositionsführer Nawaz Sharif paktieren soll, zurück.

Ex-Generäle warnten, die Justiz könnte ein Eingreifen des Militärs provozieren, sollte sie Musharraf weiter demütigen. „Die Situation könnte eine gefährliche Wende nehmen, wenn die Anwälte den früheren Militärchef weiter erniedrigen“, sagte Ex-General Aslam Baig. In Pakistan zählt Ehre viel. Und die Demütigung Musharrafs ist auch ein Affront gegen das Militär. Armeechef Ashfaq Parvez Kayani steckt in einer schwierigen Lage. Ein Eingreifen der Armee könnte dem Image des Militärs massiv schaden und eine wütende Gegenreaktion in der Öffentlichkeit auslösen. Das Regime Musharrafs, der von 1999 bis 2008 das Land regierte, hatte dem Ansehen der Armee sehr geschadet. Bisher hat Kayani daher tunlichst darauf geachtet, das Militär zumindest nach außen aus der Politik herauszuhalten.

Es gibt Gerüchte, dass hinter den Kulissen über einen Ausweg verhandelt wird, um eine weitere Eskalation zwischen der Justiz und dem Militär zu vermeiden. Angeblich haben Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate Musharraf Asyl angeboten. Musharrafs Flucht werde als Krankenbesuch seiner 95-jährigen Mutter getarnt werden, damit er nicht ganz das Gesicht verliere, spekulierten Medien. Christine Möllhoff

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