Politik : Ex-Manager von Siemens verhaftet

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Berlin – Siemens versinkt immer tiefer im Korruptionssumpf. Jetzt wurde auch ein ehemaliges Mitglied des Zentralvorstands verhaftet. „Thomas Ganswindt sitzt in Untersuchungshaft“, sagte der Münchner Oberstaatsanwalt Anton Winkler dem Tagesspiegel. Ganswindt hatte im höchsten Führungsgremium von Siemens seit Anfang 2004 die Verantwortung für die Kommunikationssparte Com. Sie steht im Zentrum der Affäre um schwarze Kassen bei Siemens.

Dabei geht es offenbar um deutlich mehr Geld als bisher angenommen wurde. Bei einer vertieften Prüfung der Bilanzen der vergangenen sieben Jahre sei ein „zweifelhafter Betrag von 420 Millionen Euro aufgetaucht“, sagte Siemens-Finanzvorstand Joe Kaeser am Dienstag in München. Es handele sich um Geld für schwarze Kassen und verdächtige Zahlungen für Beraterverträge, bei denen nun untersucht werden müsse, wohin das Geld geflossen sei. Als Folge der Affäre musste der Konzern seinen Gewinnausweis für das abgelaufene Geschäftsjahr nach unten korrigieren. Weitere Belastungen zum Beispiel durch Strafen oder Schadenersatzforderungen könnten auf den Konzern zukommen.

Die Staatsanwaltschaft München war bisher von veruntreuten Geldern in Höhe von 200 Millionen Euro ausgegangen. Unter Verdacht stehen rund ein Dutzend aktive und ehemalige Siemens-Mitarbeiter. Zuletzt saßen nach Angaben der Staatsanwaltschaft noch fünf Beschuldigte in Haft. Mit Ganswindt sind es nun wieder sechs.

Ein Beschuldigter, ein ehemaliger Finanzvorstand der Kommunikationssparte Com, soll Ganswindt in seinen Aussagen schwer belastet haben. Das berichtet „Spiegel online“. Demnach soll Ganswindt, der das Unternehmen Ende September diesen Jahres verlassen hat, bereits deutlich vor Anfang 2004 über das vermutete Schmiergeld-System in der Sparte informiert worden sein – und dieses offenbar weiter geduldet haben. Ganswindt gehörte dem Bereichsvorstand von Com an, bevor er in den Zentralvorstand wechselte. nic/vis

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