Politik : Ex-Mann von toter Sahara-Geisel kritisiert die Regierung

Karl-Heinz Spitzer wirft Unterhändlern vor, Chancen verpasst zu haben / Außenamt hat Verständnis für Reaktion der Angehörigen

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Berlin (dpa). Nach dem Hitzetod der SaharaGeisel Michaela Spitzer (46) hat deren Ex-Ehemann schwere Vorwürfe gegen deutsche Politiker erhoben. „Die Michaela und alle anderen Geiseln hätten längst gerettet werden können, doch die Politiker im Außenministerium haben in den letzten Monaten zu viele Chancen verpasst“, sagte Karl- Heinz Spitzer der „Bild am Sonntag“. Das Auswärtige Amt in Berlin reagierte zurückhaltend, aber verständnisvoll. Nach Angaben Spitzers wurde seine frühere Frau von den anderen Geiseln begraben, das Wüstengrab sei mit Steinen markiert.

Nach fünf Monaten befinden sich noch neun Deutsche, vier Schweizer und ein Niederländer in der Hand der Geiselnehmer. Durch den Kontakt über einen Tuareg-Stammesführer zwischen offiziellen Stellen in Europa und den Entführern ist Bewegung in das Drama gekommen. Die Entführer fordern für die Freilassung der Europäer ein Millionen-Lösegeld, stellten aber laut ZDF keine politischen Forderungen. Sei gehören einer algerischen Islamistengruppe an. Die Geiseln wurden inzwischen von Algerien in den Norden Malis verschleppt. Malis Präsident Amadou Touré versprach Hilfe für eine rasche Lösung des Geiseldramas.

„Die deutschen Verhandlungsführer haben offenbar viel zu oft klein beigegeben, statt massiven Druck auf die algerische Regierung auszuüben“, sagte Spitzer. Offenbar um die guten Beziehungen zu Algerien nicht aufs Spiel zu setzen, hätten sich Politiker und Beamte unterwürfig verhalten. Im Außenministerium habe man „Verständnis für die Situation der Angehörigen“, hieß es am Sonntag. Die Bundesregierung unternehme „weiter alles, um eine Lösung herbeizuführen“.

Michaela Spitzer ist nach Angaben ihres Ex-Mannes am 28. Juni in Folge eines Hitzschlags gestorben. Dies gehe aus Fax-Kopien hervor, die die Deutsche Botschaft in Mali übermittelt habe. „Sie ist eines natürlichen Todes gestorben, ohne zu leiden, wobei die ganze Gruppe anwesend war und sie beerdigt hat“, heißt es in einem von allen Geiseln unterschriebenen Brief. „Das Grab in der Wüste ist mit Steinen markiert“, sagte Spitzer. „Eines Tages werden wir Michaela heimholen und auf unserem Friedhof beisetzen.“

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