Politik : Ex-Oberbürgermeister Rommel über die Finanz-Eskapaden Kohls

Reiner Ruf

Die baden-württembergische CDU gehört nach eigenem Bekunden zu den Landesverbänden, die von Helmut Kohls Sonderzuwendungen ausgespart blieben. Und man ist herzlich froh darüber. "Deswegen waren es ja Sonderkonten", sagt Generalsekretär Volker Kauder, "damit wir nichts mitbekommen." Im Südwesten gebe es das System Kohl nicht, und auch kein System Teufel. Der Landesverband arbeite mit unabhängigen Wirtschaftsprüfern, die im Gegensatz zur Bundespartei keine Kontovollmacht besäßen. Stuttgarts Alt-OB Manfred Rommel, immer noch im CDU-Landesvorstand aktiv, nennt es einen "Vertrauensbeweis", dass kein schwarzes Geld ins Land floss: "Wir kommen allein zurecht." Die allgemeine Aufregung will er nicht teilen. Ach je, die Vorschriften seien inzwischen "so kompliziert, dass es schwer ist, nicht dagegen zu verstoßen". Und weil Helmut Kohl eh schon in die höheren Sphären der Geschichte entrückt ist, kommt ihm Bismarck in den Sinn, der mit seinem Welfen-Fonds auch schon dies und das so nebenher finanziert habe. Natürlich sei die Affäre der Partei nicht nützlich. Aber die CDU dürfe daraus nicht die Lehre ziehen, ihrem Bundesvorsitzenden die Möglichkeit zu nehmen, über die Parteifinanzen zu verfügen. Die Opposition sieht das naturgemäß ganz anders. Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn fragt, warum sich der einstige Kohl-Stellvertreter Erwin Teufel nie gegen das System Kohl gewehrt habe. Diese Frage stellt auch Generalsekretär Kauder, allerdings richtet er sie an Heiner Geißler, dessen Offenbarungen als Racheakt gegen Kohl interpretiert werden.

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