Politik : Ex-„Präsident“ der Krajina-Serben vor Gericht

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Den Haag - Der letzte „Präsident“ der in der kroatischen Region Krajina lebenden Serben, Milan Martic, muss sich seit Dienstag vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag verantworten. Unter seiner Verantwortung sind laut Anklage mindestens 250 kroatische Zivilisten ermordet und Tausende weitere vertrieben worden. „Hier geht es um Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit“, sagte Anklagevertreter Alex Whiting.

Er lastete Martic an, diese Verbrechen begangen zu haben, um einen nur von Serben bewohnten Staat zu schaffen. Zunächst habe er serbische Polizisten aus dem kroatischen Polizeiapparat herausgelöst. Diese Polizeieinheiten, die wie Militär eingesetzt wurden, hätten zahllose Verbrechen an Nicht-Serben begangen. Im Mai 1995 habe Martic als „Präsident“ der selbst erklärten „Republik serbische Krajina“, zwei Mal den Befehl zur Bombardierung der Hauptstadt Zagreb gegeben. Bei diesen militärisch völlig sinnlosen Aktionen seien mindestens sieben Zivilisten getötet und fast 200 verletzt worden.

Martic, gegen den schon 1995 Anklage erhoben worden war, hatte sich im Mai 2002 dem UN-Tribunal gestellt, aber in allen Punkten als unschuldig bezeichnet. Die Krajina-Republik war im August 1995 von kroatischen Regierungstruppen unter General Ante Gotovina ohne Rücksicht auf die Zivilbevölkerung zurückerobert worden. Gotovina wurde nach vier Jahren auf der Flucht in der vergangenen Woche in Spanien verhaftet und wartet jetzt in Den Haag ebenfalls auf einen Kriegsverbrecherprozess.dpa

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