Politik : Ex-Schatzmeister der PLO flieht nach London

Ghussein: Arafat transferiert Hilfsgelder auf seine Privatkonten

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Tel Aviv/Gaza (dpa). Der ehemalige Schatzmeister der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO), der schwere Korruptionsvorwürfe gegen Palästinenserpräsident Jassir Arafat erhoben hat, ist nach London geflohen. Der stellvertretende israelische Außenminister Michael Melchior sagte am Sonntag, Israel, einzelne Mitglieder der Autonomiebehörde und internationale Menschenrechtsorganisationen hätten Dschawid Al Ghussein dabei geholfen.

Nach Medienberichten entkam der schwer kranke 72-Jährige in der vergangenen Woche aus einem Krankenhaus in Ost-Jerusalem und flog über den internationalen Flughafen Ben Gurion ins Ausland. Ghussein selbst bestritt hingegen, geflohen zu sein. Er habe Arafat und die palästinensische Führung vorher telefonisch über seine London-Reise informiert, sagte er der saudi-arabischen Zeitung „Ashark el Ausat“.

Der israelischen Zeitung „Jediot Aharonot“ sagte Ghussein hingegen, er sei dahinter gekommen, dass Arafat die Hilfsgelder der Geberländer auf sein eigenes Konto transferiert habe. Er habe vergeblich für mehr Transparenz plädiert und nach seinem Rücktritt 1996 als PLO-Schatzmeister die Geberländer über die Unregelmäßigkeiten unterrichtet. Der Zeitung zufolge soll Ghussein, der seit 1984 Schatzmeister war, insgesamt eine halbe Milliarde Dollar auf geheimen Bankkonten des Palästinenserpräsidenten deponiert haben. Arafat wirft Al Ghussein hingegen vor, selbst korrupt zu sein und Gelder in Millionenhöhe gestohlen zu haben.

Ende April vergangenen Jahres war der frühere Schatzmeister von Mitgliedern der palästinensischen Eliteeinheit „Force 17“ aus Abu Dhabi entführt und in Gaza unter Hausarrest gestellt worden. Wegen schwerer Krankheit durfte er später zur Behandlung in ein Krankenhaus in Kairo reisen. Im Januar wurde er dann erneut nach Gaza entführt.

Die Palästinenser reagierten unterdessen empört auf einen israelischen Plan zur Ausweisung. Nach Medienberichten soll Ministerpräsident Ariel Scharon im Grundsatz mit dem Plan einverstanden sein. Der Plan sieht dem am Freitag ausgestrahlten Fernsehbericht zufolge vor, Arafat in seinem Hauptquartier in Ramallah festzunehmen und ins arabische Exil zu fliegen. Um sicherzugehen, dass er dabei nicht verletzt werde, solle eine Spezialeinheit die Razzia durchführen.

In Hebron im Westjordanland setzten die israelischen Streitkräfte nach einer Woche das Ausgehverbot für die palästinensische Bevölkerung wieder in Kraft und nahmen gleichzeitig bei Razzien mehrere Palästinenser fest.

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