Politik : Ex-Spitzel in NSU-Mord verstrickt?

Einstiger V-Mann soll Mundlos getroffen haben.

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Berlin - Die Terrorzelle NSU hatte kurz vor dem Mord an einem Deutschtürken in Dortmund möglicherweise Kontakt zu einem Ex-V-Mann des Brandenburger Verfassungsschutzes. Nach Informationen des Tagesspiegels bekam Dortmunds Polizei im November 2011, nachdem die Terrorgruppe aufgeflogen war, einen Hinweis eines Spitzels auf Toni S., der bis 2002 dem Verfassungsschutz in Brandenburg aus der rechten Szene berichtet hatte. Toni S. sei am 1. April 2006 mit dem NSU-Mann Uwe Mundlos in Dortmund gesehen worden, sagte der Spitzel der Polizei. Mundlos und sein Komplize Uwe Böhnhardt hatten am 4. April 2006 den Deutschtürken Mehmet Kubasik in seinem Kiosk erschossen.

Toni S. war 2003 in die westfälische Stadt gezogen. Im Jahr zuvor hatte ihn das Berliner Landgericht wegen des Vertriebs einer rechtsextremen CD mit Morddrohungen gegen Prominente zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. Bei der  Suche nach Exemplaren der CD hatte die Berliner Polizei im Juli 2002 Toni S. festgenommen, der sich dann als V-Mann des Brandenburger Verfassungsschutzes zu erkennen gab. Mit der Festnahme endete die Tätigkeit von Toni S. für den Geheimdienst. Der Fall hatte viel Aufsehen erregt.

Sicherheitskreise schließen nicht aus, dass Toni S. Kontakte zu Personen hatte, die heute dem Umfeld der im Januar 1998 untergetauchten Thüringer Neonazis Mundlos, Böhnhardt und Beate Zschäpe zugeordnet werden. Das gilt vor allem für eine der Beschuldigten aus dem NSU-Verfahren der Bundesanwaltschaft. Die Sächsin Mandy S. soll sich mehrmals in Cottbus aufgehalten haben, wo Toni S. für die rechte Musikszene aktiv war. Sie soll 1998 dem Trio geholfen haben, sich in einer Wohnung in Chemnitz zu verstecken. Über Mandy S. könnte Toni S. in Kontakt zu Uwe Mundlos gekommen sein, sagte ein Sicherheitsexperte. Dass seit 2002 die Spitzeltätigkeit von Toni S. bekannt war, schließe eine Verbindung zu Mundlos nicht aus. Frank Jansen

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