Politik : Ex-Terrorist vor Gericht: Klein schildert Weg in den Untergrund

Wegen des Überfalls auf die Wiener Opec-Konferenz vor rund 25 Jahren muss sich seit Dienstag das frühere Mitglied der linksradikalen "Revolutionären Zellen", Hans-Joachim Klein, vor Gericht verantworten. Der 52-Jährige, dem unter anderem dreifacher Mord vorgeworfen wird, schilderte am ersten Prozesstag vor dem Frankfurter Landgericht seinen Weg in den Untergrund. Er berichtete auch über Unterstützung durch den libyschen Revolutionsführer Muammar Gaddafi bei seiner Flucht. Klein bestreitet den Mordvorwurf der Staatsanwaltschaft.

Klein ist angeklagt, unter dem Kommando des in Frankreich inhaftierten Top-Terroristen Ilich Ramirez Sanchez alias "Carlos" am 21. Dezember 1975 gemeinsam mit der 1995 verstorbenen Gabriele Tiedemann und drei Palästinensern die Konferenz der Organisation Erdöl exportierender Staaten (Opec) gestürmt zu haben. Bei dem Überfall waren drei Menschen erschossen worden. Das Kommando nahm etwa 70 Geiseln, von denen mehr als 30 nach Algerien entführt und erst gegen hohe Lösegeldzahlungen freigelassen wurden.

Klein sagte vor dem Frankfurter Landgericht, er habe bis 1974 keinen Kontakt zum linksradikalen Untergrund gehabt. Seine Aktivität von 1967 bis etwa 1974 sei auf Demonstrationen gegen den Krieg in Vietnam und die Diktaturen in Griechenland und Chile beschränkt gewesen. Seine Vorbilder seien damals Rudi Dutschke, Daniel Cohn-Bendit und der heutige Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) gewesen. Gemeinsam "mit meinem Freund Joschka" habe er der so genannten Frankfurter Putzergruppe angehört, deren Aufgabe es war, Demonstranten vor der Polizei zu schützen. Später habe er sich der Frankfurter Roten Hilfe angeschlossen, deren Ziel es war, auf die Missstände bei der Behandlung von Gefangenen aus der politischen Szene aufmerksam zu machen.

Erst nach dem Tod von Holger Meins 1974 - das Mitglied der Rote-Armee-Fraktion (RAF) starb nach einem Hungerstreik - habe er sich entschlossen, den "bewaffneten Kampf" aufzunehmen. Über seinen Mitangeklagten Rudolf Schindler habe er dann Kontakt zu den "Revolutionären Zellen" (RZ) aufgenommen und "Carlos" in Paris erstmals getroffen. Aus heutiger Sicht seien für ihn die Abläufe von damals schwer nachvollziehbar. Er könne sich nicht mehr erklären, warum er "für 10 Minuten Opec" sein halbes Leben habe auf der Flucht sein müssen, sagte Klein mit Blick auf die Schießerei mit den Sicherheitskräften im Wiener Tagungsgebäude. Klein, der bei dem Schusswechsel während des Überfalls schwer verletzt wurde, war mit dem Kommando und den Geiseln nach Algerien ausgeflogen worden. Klein wurde im September 1998 von Zielfahndern des Bundeskriminalamtes in Frankreich verhaftet, wo er mehr als 20 Jahre lang unter falschem Namen gelebt hatte. 1977 hatte er sich vom Terrorismus losgesagt.

» Mehr Politik? Tagesspiegel lesen + 50 % sparen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar