Exekution in USA : Erstmals Hinrichtung mit nicht erprobter Giftmischung

In den USA sind die Gifte für Exekutionen ausgegangen: Jetzt hat Florida einen Verurteilten mit einer umstrittenen Substanz hingerichtet.

2016 befürworteten nur noch 49 Prozent der US-Bürger die Todesstrafe.
2016 befürworteten nur noch 49 Prozent der US-Bürger die Todesstrafe.Foto: picture alliance / dpa

Im US-Bundesstaat Florida ist einem Medienbericht zufolge erstmals ein zum Tode verurteilter zweifacher Mörder mit Hilfe einer bislang noch nicht erprobten Substanz hingerichtet worden. Dem 53-jährigen Mark Asay sei am Donnerstag (Ortszeit) im Gefängnis der Stadt Starke unter anderem das umstrittene Arzneimittel Etomidat gespritzt worden, berichtete der US-Sender CNN unter Berufung auf die Behörden.

Die Tötung sei ohne Zwischenfälle verlaufen. Asay habe keine Anzeichen von Schmerzen gezeigt. Er ist der erste Weiße in Florida, der wegen Mordes an einem Schwarzen exekutiert wurde. Er war 1988 verurteilt worden.

Asays Hinrichtung war die erste in Florida seit 18 Monaten

Der 53-Jährige war zuvor vor Gericht gegen den Einsatz von Etomidat vorgegangen - vergeblich. Der Oberste Gerichtshof in Florida erklärte nach Angaben des Nachrichtenportals News4Jax, Asay habe nicht nachweisen können, dass ihm das starke Betäubungsmittel Schmerzen zufügen werde. Etomidat wurde als Ersatz für das derzeit in den USA für Giftmischungen genutzte Betäubungsmittel Midazolam verwendet. Die Arznei steht in der Kritik, weil sie offensichtlich nicht stark genug ist, um Schmerzen der Todeskandidaten zu vermeiden. Asays Hinrichtung war die erste in Florida seit 18 Monaten.

Am Mittwoch war im US-Bundesstaat Ohio erstmals seit mehr als drei Jahren ein Todesurteil vollstreckt worden. Der wegen Kindesmordes und Vergewaltigung verurteilte Ronald Phillips wurde am Mittwoch mit einer Giftspritze hingerichtet, wie die Strafvollzugsbehörde mitteilte. In dem Bundesstaat waren Hinrichtungen nach dem quälend langen Todeskampf des Häftlings Dennis McGuire Anfang 2014 ausgesetzt worden.

Gegen die neuen Giftcocktails gab es viele Klagen

Der damals verwendete Giftmix enthielt ebenfalls Midazolam. Auch bei der Hinrichtung des 43-jährigen Phillips kam Midazolam zum Einsatz, allerdings in deutlich höherer Dosis. Zeugen zufolge verlief die Exekution ohne Zwischenfälle. Ein Berufungsgericht hatte die Beschwerden von Phillips' Anwalt und den Verteidigern zweier Mithäftlinge gegen den verwendeten Giftmix im vergangenen Monat zurückgewiesen. Die Verfassung garantiere kein Recht auf "eine Hinrichtung ohne Schmerzen", urteilten die Richter. Phillips war 1993 wegen der Ermordung und Vergewaltigung der dreijährigen Tochter seiner damaligen Freundin verurteilt worden. Der Supreme Court wies eine Berufung gegen den Vollzug des Todesurteils am Dienstag ab.

Mehrere unter großen Qualen vollzogene Hinrichtungen hatten in den USA eine heftige Kontroverse über die in den USA verwendeten Giftcocktails ausgelöst. Die US-Behörden mussten auf neue Giftmischungen zurückgreifen, weil sich Pharmafirmen weigerten, die entsprechenden Mittel zu liefern. Gegen den Einsatz der neuen Giftmischungen klagten Verurteilte in mehreren US-Bundesstaaten.

Einer Umfrage des Pew-Forschungsinstituts aus dem vergangenen Jahr zufolge befürworten nur noch 49 Prozent der US-Bürger die Todesstrafe, dies ist die niedrigste Zustimmungsrate seit 40 Jahren. In diesem Jahr wurden nun 16 Menschen in den USA hingerichtet. (dpa)

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