Politik : Exodus in die Nachbarländer

SKOPJE/GENF .Die gewaltsame Vertreibung und offensichtliche Greueltaten serbischer Einheiten haben im Kosovo eine Massenflucht in die Nachbarländer ausgelöst.Allein 60 000 Kosovo-Flüchtlinge überquerten am Montag nach Angaben des Roten Kreuzes die Grenze zu Albanien.Das Flüchtlingshilfswerk UNHCR sprach von einer systematischen Vertreibung, an der auch serbische Freischärlergruppen beteiligt seien.Italien startet mit Hilfe seines Militärs eine große Hilfsaktion für Kosovo-Flüchtlinge in Albanien.

"Die Vertreibung dieser Menschen ist eine von Belgrad aus organisierte Aktion", sagte UNHCR-Sprecher Kris Janowski.Die Zahl der Flüchtlinge in Montenegro sei inzwischen auf rund 10 000 angewachsen.Mindestens 1500 Kosovo-Albaner sind in der Nacht zum Montag über die grüne Grenze ins benachbarte Mazedonien geflüchtet.Die Flüchtlinge gaben an, daß in der Kosovo-Stadt Kacanik Tote auf der Straße lagen.Nach anderen Berichten wurden Flüchtlingsgruppen von der serbischen Polizei umstellt.Ein Teil der Männer sei ausgesondert und weggeführt worden.Noch 40 000 Kosovo-Albaner sollen sich auf der serbischen Seite im Gebirge aufhalten.

Serbische Freischärler haben nach Angaben aus exil-albanischen Kreisen mit einer systematischen Vertreibung aus Pristina begonnen.Einheiten des Freischärler-Führers Zeljko "Arkan" Raznatovic gingen von Haus zu Haus, schüchterten die Menschen ein und forderten sie auf, die Stadt zu verlassen, berichtete die Partei des gemäßigten Albaner-Führers Ibrahim Rugova nach Telefonaten mit Vertrauensleuten in Pristina.Die serbische Polizei habe einen Korridor für die Flucht aus Pristina geöffnet.Die Führung der Kosovo-Albaner hielt sich versteckt.Nach Schätzungen des UNHCR haben in den vergangenen eineinhalb Jahren insgesamt mehr als eine halbe Million Menschen ihre Häuser im Kosovo verlassen.

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