Politik : Experte: Mehr Nullrunden für Rentner

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Berlin Die rund 20 Millionen Rentner in Deutschland können nach Experten- Ansicht mehrere Jahre nicht mit höheren Bezügen rechnen. Der Freiburger Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen sagte „Bild am Sonntag“, wenn die Konjunktur nicht „überraschend stark“ anspringe, müssten sich die Rentner „mindestens fünf Jahre lang im Schnitt auf Nullrunden, hin und wieder sogar auf Minusrunden einstellen“. In diesem Jahr kommt auf die Ruheständler die zweite Nullrunde in Folge zu. Der Entwurf zur Rentenanpassung werde in dieser Woche ins Kabinett eingebracht, sagte am Sonntag eine Sprecherin von Bundessozialministerin Ulla Schmidt (SPD). Er sehe eine Nullrunde, aber keine Kürzung der Renten vor. Aussagen über die kommenden Jahre wies sie als Spekulation zurück.

Antje Hermenau, Grünen-Fraktionschefin in Sachsen und frühere Haushaltssprecherin im Bundestag, sagte: „Die Lage der Rentenkasse ist dramatisch. Deshalb ist es völlig richtig, dass es zurzeit keine Rentenerhöhung gibt. Auch in den nächsten Jahren werden wir um weitere Nullrunden nicht herumkommen.“ Baden- Württembergs Sozialministerin Tanja Gönner (CDU) betonte: „Wenn Löhne und Gehälter nicht steigen, können auch die Rentner keine Zuwächse erwarten.“

Der Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Rentenversicherungsträger, Franz Ruland, bestätigte Beitragseinbrüche bei den Rentenkassen in dreistelliger Millionenhöhe allein in den ersten drei Monaten 2005. Es sei „leider sehr wahrscheinlich geworden“, dass die Rentenkassen im Verlauf des Jahres zusätzliche Bundeszuschüsse brauchten, sagte er der „Sächsischen Zeitung am Sonntag“. Er sprach sich für eine Anhebung der Regelaltersgrenze von 65 auf 67 Jahre aus.

Die stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Ursula Engelen-Kefer, forderte: „Der Staat muss der Rentenversicherung durch verstärkte Zuschüsse aus der Krise helfen.“ Sie sollten durch mehr Steuereinnahmen vor allem von Großkonzernen finanziert werden, sagte sie der „Leipziger Volkszeitung“.dpa

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