• Experten: 1,5 Millionen Kinder von Armut bedroht Paritätischer Wohlfahrtsverband befürchtet massiven Anstieg

Politik : Experten: 1,5 Millionen Kinder von Armut bedroht Paritätischer Wohlfahrtsverband befürchtet massiven Anstieg

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(dpa). Die Zahl der Kinder und Jugendlichen in Deutschland, die von Sozialhilfe leben müssen, wird nach Experten Schätzung in den kommenden zwei Jahren von einer auf 1,5 Millionen ansteigen. Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Ulrich Schneider, sagte der „Welt am Sonntag“, eine Studie seines Verbandes belege, dass diese Steigerung um eine halbe Million Betroffene mit der Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe (Hartz IV) eintrete.

Durch die Leistungskürzungen wachse die Zahl der Menschen, die Auszahlungen auf dem Niveau der Sozialhilfe beziehen, von derzeit 2,8 Millionen auf 4,5 Millionen. Das sei der höchste Stand seit 1945. Besonders hart treffe es dabei die Kinder. So werde jedes zehnte Kind in Deutschland unter die Armutsgrenze fallen, sagte Schneider. Bisher sei es jedes fünfzehnte Kind.

Allein in Berlin fristeten jetzt schon fast 100 000 Kinder ihr Dasein in Armut. „Die eine Hälfte der Kinder lebt bei Alleinerziehenden, die andere Hälfte in kinderreichen Familien ab vier Kindern“, sagte der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, der Zeitung. Er habe „noch während des Vermittlungsverfahrens von Bundestag und Bundesrat bis zuletzt auf die zuständigen Abgeordneten eingeredet und auf den Weg in die Armut hingewiesen - vergeblich“. In Deutschland gelte als arm, wer 50 Prozent unterhalb des unteren durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommens liege, erläuterte Schneider. „Wir definieren Armut seit zwei Jahren anders. Wer unter dem gesellschaftlichen Mindestbedarf liegt, ist arm.“ Seit 1990 sei der Sozialhilfesatz nicht an die realen Lebenshaltungskosten angepasst worden. Inzwischen liege er sechs Prozent unter diesem gesellschaftlichen Mindestbedarf.

„Im Grunde organisiert der Staat die Kindervernachlässigung“, kritisierte Hilgers. „Das ist kurzsichtig. Ein siebenjähriges Kind wird mit weniger als 150 Euro Sozialhilfe im Monat abgespeist.“ Ein Platz in einem Heim für ein solches Kind aber koste etwa 3000 Euro monatlich.

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