Politik : Experten: 5,3 Millionen Arbeitslose möglich

Die Zahl der Erwerbslosen könnte nach Ansicht von Experten im Februar auf rund 5,2 Millionen steigen. Einer der Analysten schloss angesichts des harten Winterwetters sogar einen Anstieg auf bis zu 5,3 Millionen nicht aus.

Nürnberg (28.02.2005, 16:10 Uhr) - Die Arbeitslosigkeit ist nach Einschätzung von Arbeitsmarktexperten im Februar zum zweiten Mal in Folge auf einen neuen Nachkriegsrekord gestiegen. Nach den Berechnungen der Fachleute stieg die Zahl der Erwerbslosen gegenüber Januar um 160.000 bis 170.000 an - rund 560.000 mehr als vor einem Jahr. Einer der Analysten schloss angesichts des harten Winterwetters sogar einen Anstieg auf bis zu 5,3 Millionen nicht aus. Die offiziellen Zahlen will die Bundesagentur für Arbeit (BA) an diesem Dienstag bekannt geben.

Zeitgleich veröffentlicht das Statistische Bundesamt erstmals eine Erwerbslosenstatistik nach internationalem Standard. Anders als bei der so genannten Vollerfassung der BA beruht sie auf einer Befragung von 30 000 zufällig ausgewählten Bundesbürgern. Zudem stehen die Ergebnisse der Telefonstichproben erst einen Monat später als die Zahlen der BA zur Verfügung; aktuell wird das Statistische Bundesamt somit die Erwerbslosenzahlen für den Januar veröffentlichen.

Uneinig sind sich die Experten über den Anteil der im Februar erstmals registrierten erwerbsfähigen Sozialhilfeempfänger. Ihre Schätzungen schwanken zwischen 40 000 und 80 000. Zusätzlich belastet wird der Arbeitsmarkt im Februar nach Einschätzung der Fachleute durch den harten Winter. Allein witterungsbedingt werde die Zahl der Arbeitslosen nach Schätzungen der Analysten um 80 000 bis 120 000 steigen. Das wären ähnlich viel wie im «Eiswinter» 1996. Damals hatte die Erwerbslosenzahl im Februar um 111 000 zugenommen. Im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre war die Februar- Arbeitslosigkeit um 25 000 gewachsen.

Nach den Prognosen der Experten wird die Fünf-Millionen-Marke bei der Arbeitslosenzahl erst im Mai unterschritten werden. Die Experten verweisen dabei auf die 200 000 bis 300 000 erwerbsfähigen Sozialhilfeempfänger, die als Folge der Hartz-IV- Reform nun in die Arbeitslosenstatistik eingingen. Diese Zahl werde auch in den kommenden Monaten kaum sinken. «Das hängt natürlich von der Zahl der Ein-Euro-Jobs ab, die in den kommenden Monaten entstehen», meinte Deutsche Bank-Volkswirt Stephan Bielmeier.

Im Januar hatte die Zahl der Arbeitslosen mit 5,037 Millionen erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland die Fünf- Millionen-Marke überstiegen. Ursache für den ungewöhnlich hohen Anstieg von 573 000 waren in erster Linie die Auswirkungen der Hartz- IV-Reform. Ohne die 230 000 im Januar erstmals in der Arbeitslosenstatistik erfassten Sozialhilfeempfänger hätte die Zahl der Erwerbslosen im Januar bei rund 4,8 Millionen gelegen. (tso) ()

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