Politik : Experten bezweifeln Sinn eines Luftabwehrsystems

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Berlin Um das neue Luftabwehrsystem Meads, an dessen Entwicklung sich Deutschland mit rund einer Milliarde Euro beteiligen will, ist ein Expertenstreit ausgebrochen. Während sich die Verteidigungspolitiker aller Bundestagsfraktionen bereits für das Projekt ausgesprochen haben, äußerte die Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK) erhebliche Zweifel an den vorgesehenen Einsatzmöglichkeiten des gemeinsamen Rüstungsprojekts mit den USA und Italien.

Das „Medium Extended Air Defense System“ (Meads) helfe weder bei der Landesverteidigung noch bei der Terrorismusbekämpfung oder dem Schutz deutscher Soldaten im Ausland, sagte HSFK-Projektleiter Bernd W. Kubbig am Dienstag in Berlin. Zudem könnten die Anschaffungskosten beim vorgesehenen Bedarf von zwölf bis 24 Systemen zwischen zehn und zwölf Milliarden Euro liegen. Diese Schätzung wies der CDU/CSU-Obmann im Verteidigungsausschusses des Bundestags, Hans Raidel (CSU), zurück. Er hielt eher zwei bis drei Milliarden Euro für realistisch. Kubbigs übrige Einwände seien im Ausschuss von den Fachleuten widerlegt worden. Das Verteidigungsministerium erklärte, auch die Bundeswehr sei von der Sinnhaftigkeit des Projektes überzeugt.

Das bodengestützte und mobile Raketenabwehrsystems Meads soll von 2012 an vor Flugzeugen und taktischen ballistischen Raketen mit einer Reichweite von bis zu 1000 Kilometern schützen. Der Bundestag will Anfang kommenden Jahres über das Projekt entscheiden.

Auch der Sinn des Projekts ist laut Kubbig zweifelhaft. Bei Waffen mit einer Reichweite von mehr als 1000 Kilometern bleibe Meads „stumpf“. Im Umkreis von 1000 Kilometern, in denen das System technisch wirksam wäre, sei Deutschland aber „nur von Freunden umgeben“. dpa

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