Experten nehmen Proben : Arafat wegen Giftmordverdachts exhumiert

Zur Klärung eines Giftmordverdachts ist der Leichnam des früheren Palästinenserführers Jassir Arafat in Ramallah am Dienstagmorgen exhumiert worden. Damit könnte ein jahrelanger Streit endlich geklärt werden.

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Jassir Arafats Leiche wurde am Dienstagmorgen exhumiert.
Jassir Arafats Leiche wurde am Dienstagmorgen exhumiert.Foto: dapd

Schon zu Lebzeiten war der Mann mit der schwarzweißen Kopfbedeckung ein Polarisierer. Die einen hielten Jassir Arafat für einen gefährlichen Terroristen, andere verliehen ihm den Friedensnobelpreis. Nun ruft der Palästinenserführer sogar aus dem Grab heraus eine Menge Aufruhr hervor. Am heutigen Dienstag wird sein Leichnam exhumiert, um zu untersuchen, ob er vergiftet wurde. Experten aus der Schweiz und Russland sind nach Ramallah gereist, um den sterblichen Überresten Proben zu entnehmen.

Im Oktober 2004 war der einstige PLO-Chef nach plötzlicher Erkrankung in ein französisches Militärkrankenhaus gebracht worden. Einen Monat lang rätselte die versammelte Weltpresse vor dem Eingang, worunter der charismatische Mann leiden könnte: Aids, Krebs oder gar Gift? Doch sogar nach seinem Ableben schwiegen die behandelnden Ärzte eisern, ebenso wie seine Frau Suha. Kein Wort, keine Information.

So sind die Umstände von Arafats Tod bis heute ungeklärt. Erzfeind Israel habe ihn unter die Erde gebracht, munkelten viele Palästinenser. Jerusalem streitet dies bis heute ab. Klar ist aber auch: Arafat hatte selbst in den eigenen Reihen nicht nur Freunde. Sein autoritärer Führungsstil bescherte ihm einige Feinde.

Im Sommer hatte Suha einem Labor in der Schweiz Kleidungsstücke ihres verstorbenen Mannes übergeben. Als daran das radioaktive Polonium-210 gefunden wurde, erstattete die Witwe Anzeige gegen unbekannt. Mit dieser radioaktiven Substanz war der ehemalige Spion und Kreml-Kritiker Alexander Litwinenko 2006 in London vergiftet worden. Die palästinensischen Behörden befragten russische Experten. Um wirklich Aufschluss über die Todesursache zu erhalten, müsse man allerdings den Leichnam untersuchen, sagten die Schweizer.

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit nahmen Experten Proben.
Unter Ausschluss der Öffentlichkeit nahmen Experten Proben.Foto: AFP

Während in Israel viele ob der Verschwörungstheorie den Kopf schütteln, sind Arafats Landsleute eher zurückhaltend. Viele meinen, es sei ohnehin klar, dass Israel hinter der Tat stecke. Eine Bestätigung könne aber nicht schaden.

Und so hämmern und sägen Arbeiter bereits seit Wochen am Mausoleum im ehemaligen Hauptquartier der PLO, der Mukata. Es galt, den in Beton gegossenen Sarg vor der Ankunft der Fachleute freizuschaufeln. Doch das Unterfangen ist nicht nur baulich schwierig. Auch Emotionen sind im Spiel, wenn es um „Abu Amar“, den „Vater“, geht. So nennen ihn viele Palästinenser noch heute.

Um keine „kulturellen wie religiösen Gefühle zu verletzen“, will die Autonomiebehörde möglichst wenige Zuschauer zulassen. Und Arafats Leichnam soll nach wenigen Stunden wieder beigesetzt werden – mit militärischen Ehren.

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