Politik : Experten sehen in den Kraftwerken keine Probleme beim Datumswechel

TÜV Nord und Baden-Württemberg geben sich zuversichtlich. Niedersachsen fordert aber nach Bedenken neue Stellungnahme

Alle deutschen Atomkraftwerke sind mit Blick auf den Datumswechsel 2000 abschließend geprüft und als sicher beurteilt. Mit diesem Hinweis haben am Mittwoch der TÜV Nord und das Umweltministerium Baden-Württemberg auf einen Bericht reagiert, wonach die Meiler Unterweser und Neckarwestheim noch einmal auf ihre 2000-Fähigkeit getestet werden sollten. Auch ein Sprecher des Bundesumweltministeriums sagte, es gebe derzeit keine Hinweise, dass die Reaktoren nicht Jahr-2000-fähig seien.

Bereichsleiter Rudolf Wieland vom TÜV Nord sagte, das Umweltministerium Niedersachsens habe lediglich um eine Stellungnahme zu den Bedenken gebeten, die der Hamburger Informatikprofessor Klaus Brunnstein letzte Woche öffentlich gemacht habe. Man habe Brunnstein am Dienstag die Prüfverfahren erläutert. Kommende Woche werde man noch einmal mit Brunnstein die Verfahrenstechnik besprechen.

Der TÜV Nord gehe weiter davon aus, dass es auch bei der digitalen Leittechnik der beiden modernen Meiler keine Probleme mit dem Datumswechsel geben werde. Selbst bei einer Fehleinschätzung des Problems bestünden keine Sicherheitsbedenken, weil sich die Reaktoren dann abschalten würden, sagte Wieland.

Das Umweltministerium in Hannover bestätigte, dass es eine Stellungnahme zu Brunnsteins Bedenken eingefordert habe. Gleichzeitig versicherte eine Sprecherin, dass man nach derzeitigem Stand damit rechne, dass alle vier niedersächsischen Reaktoren den Datumssprung sicher mitmachten und am Netz blieben. Auch das Kraftwerk Neckarwestheim wird nicht noch mal auf seine Jahr-2000-Sicherheit überprüft, wie das Stuttgarter Umweltministerium mitteilte. Für ein vorsorgliches Abschalten des Kernkraftwerks zu Silvester gebe es keinerlei Grund. Die vollständige Jahr-2000-Fähigkeit der für die Sicherheit des Kernkraftwerks wichtigen Systeme sei auch von der Reaktor-Sicherheits-Kommission bestätigt worden.

Die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" hatte unter Berufung auf Regierungskreise berichtet, unter Umständen müssten Unterweser und Neckarwestheim zu Silvester abgeschaltet werden. Brunnstein hatte kritisiert, dass in den beiden Kraftwerke wegen ihrer digitalen Leittechnik ein vom Datumswechsel ausgelöster Computerfehler verheerende Folgen haben könne.

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