Expertenrunde : Bund und Länder wollen Bildungssystem verbessern

Dass Bildung der Schlüssel zum Erfolg des Landes sei, hört man immer wieder, aus allen Parteien. So richtig viel in den Erfolg investieren will bislang aber niemand so richtig. Jetzt hat sich ein Team aus Experten zusammengeschlossen, das das Bildungssystem gemeinsam verbessern will und Bundeskanzlerin Angela Merkel auf "Bildungsreise" schickt.

BerlinBund und Länder wollen in einem gemeinsamen Kraftakt das deutsche Bildungssystem verbessern. Dabei geht es um Zugang zu Bildung für alle, die Förderung sowie die Qualität von Kitas, Schulen, Hochschulen und Weiterbildung. Das wurde bei einem Runden Tisch zur Bildung bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit etwa 30 Experten am Dienstag in Berlin deutlich.

Fehlende Sprachkenntnisse von Zuwandererkindern, Defizite in der Lehrerausbildung und mangelnde Personalausstattung gelten unter den Bildungsexperten als größte Hürden. Zugleich wurde eine "Exzellenz- Initiative" für die Lehrerausbildung vorgeschlagen.

Zustand ist dramatisch

Am Runden Tisch nahmen unter anderem die Kanzlerin, Bundesbildungsministerin Annette Schavan, die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Saar-Ministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (alle CDU), Hochschulrektoren-Präsidentin Margret Wintermantel sowie Vertreter von Schulen, Hochschulen, Kindergärten, Medien und Wirtschaft teil. Der Zustand des Bildungssystems wurde von Experten zum Teil als dramatisch beschrieben. Die Fachleute nannten fehlende Gelder, hohe Abbrecherquoten sowie einen überalterten Altersdurchschnitt von Lehrern als weitere Probleme.

Die Bundesregierung betonte, Bildung sei die Schlüsselfrage für den Erfolg Deutschlands. Der Bund dringt darauf, dass alle Kinder bei der Einschulung die deutsche Sprache beherrschen. Als Herausforderung wird gesehen, dass der Anteil an jungen Leuten mit ausländischen Wurzeln in Ballungsgebieten teils bei mehr als 40 Prozent liegt. Die Integration sei lange Zeit den Schulen überlassen worden. Die Kultusminister der Länder streben eine Vereinbarung an, um die Sprachfähigkeit der Kinder zu prüfen.

"Bildungsgipfel" geplant

Merkel geht von diesem Donnerstag an auf eine "Bildungsreise" quer durch Deutschland. In zehn Ländern will sie sich ein umfassendes Bild von Stand und Herausforderungen des Bildungssystems machen. Im Oktober planen Bund und Länder einen "Bildungsgipfel". Sie streben unter anderem eine Neuauflage des Hochschulpaktes an.

Nach der Neuregelung durch die Föderalismusreform sind die Länder für Bildung und Wissenschaft allein zuständig. Mehrere Ministerpräsidenten hatten davor gewarnt, dass der Bund wieder eine stärkere Rolle spielen will. Die Schulen dringen bei der Lösung von Problemen auf Eigenverantwortung.

Der nordrhein-westfälische Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) schlug ein Investitionsprogramm von mindestens zehn Milliarden Euro für die Hochschulen im nächsten Jahrzehnt vor. "Der Bund müsste davon mindestens die Hälfte tragen", sagte er der Tageszeitung "Die Welt" (Mittwoch). (pb/dpa)

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