Explosion : Fünf Tote bei Terroranschlag in Türkei

Bei einem neuen Terroranschlag in türkischen Touristengebieten sind am Samstag mindestens fünf Menschen getötet und 13 weitere verletzt worden.

Kusadasi (16.07.2005, 18:04 Uhr) - Der Bombenanschlag auf einen vollbesetzten Kleinbus im Urlaubsort Kusadasi nahe der Großstadt Izmir wurde möglicherweise von einer Selbstmordattentäterin verübt. Eine zunächst nicht identifizierte junge Frau könnte den Sprengstoff bei sich getragen haben, sagte der Landrat von Kusadasi, Ali Baris. Unter den Toten sind nach Angaben der türkischen Behörden eine Urlauberin aus Irland und eine britische Touristin. Die Engländerin, die mit vier verletzten Landsleuten ins Krankenhaus nach Izmir gebracht wurde, erlag dort ihren schweren Verletzungen. Hinweise auf deutsche Verletzte gab es nicht.

Zu dem zweiten Anschlag in türkischen Badeorten innerhalb von sieben Tagen bekannte sich zunächst niemand. Am Sonntag vor einer Woche waren bei der Explosion einer Splitterbombe in einem Papierkorb im Küstenort Cesme 20 Touristen verletzt worden, darunter ein Brite und ein Russe. Zu dem Anschlag hatten sich die so genannten Freiheitsfalken Kurdistans bekannt, eine Splittergruppe der Kurdischen Arbeiterpartei PKK. Ein Anrufer hatte nach Angaben der PKK-nahen Nachrichtenagentur MHA weitere Anschläge angedroht.

Die PKK-Führung distanzierte sich angeblich von dem Bombenanschlag. Er verurteile den Angriff auf Zivilisten, zitierte dieselbe Agentur am Sonntagnachmittag auf ihrer Internetseite den PKK-Kongra-Gel-Vorsitzenden Zübeyir Aydar.

Der britische Außenminister Jack Straw sagte in London: «Wir verurteilen diese abstoßende Tat, die das Leben so vieler unschuldiger Menschen zerstört hat. Wie immer stehen wir Seite an Seite mit der Bevölkerung der Türkei, vereint in Mitgefühl und in unserer Entschlossenheit, es ist nicht zuzulassen, dass die Terroristen unsere Werte und unsere Freiheit vernichten.» Der irische Außenminister Dermot Ahern bezeichnete den Anschlag als «grausam und sinnlos». Er sagte: «Es kann keine Rechtfertigung für dieses Blutbad geben.»

Der Kleinbus in Kusadasi wurde durch die Wucht der weithin hörbaren Explosion zerfetzt. Er passierte gerade einen zentralen Platz mit einem Denkmal des türkischen Republikgründers Kemal Atatürk, als die Bombe detonierte. Nicht weit von derselben Stelle war erst vor gut zwei Monaten eine Sprengladung explodiert und hatte einen Polizisten in den Tod gerissen. Vier weitere Beamte, die den Sprengsatz ebenfalls ohne Schutzvorkehrungen hatten entschärfen wollen, wurden dabei verletzt.

Nach dem Terroranschlag wurden die Sicherheitsvorkehrungen in Kusadasi und anderen türkischen Touristenorten verstärkt. In Izmir, aber auch auf Zufahrtsstraßen zum stark frequentierten Urlaubsort Bodrum wurden Straßenkontrollen eingerichtet, wie die türkische Nachrichtenagentur Anadolu berichtete.

Seit die Kurdische Arbeiterpartei PKK vor einem Jahr eine fünfjährige Waffenruhe für beendet erklärt hatte, häufen sich in der Türkei wieder Bombenanschläge und Gefechte zwischen kurdischen Extremisten und der türkischen Armee. Von 1984 bis zur Festnahme von PKK-Führer Abdullah Öcalan 1999 hatte die PKK die Türkei in einen blutigen Guerillakrieg verwickelt, bei dem mehr als 30 000 Menschen getötet wurden. (tso)

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