Politik : Expo 2000: "Auf der Expo haben wir alle friedlich zusammengelebt"

Carola Grosse-Wilde

Deutsche und Israelis haben den Nationentag Israels auf der Expo am Dienstag unter großem Polizeischutz und unter großen Sorgen um die Zukunft im Nahen Osten gefeiert. "Wir alle haben Sorge im Herzen, wie es mit dem Friedensprozess weitergehen kann", sagte Bundesfamilienministerin Christine Bergmann (SPD) in Hannover. An der Zeremonie auf der zentralen Expo-Plaza, der Darbietungen von Musikern und Artisten folgten, nahm auch der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, teil. Spiegel zeigte sich überzeugt: "Zum Friedensprozess gibt es keine Alternative."

"Es ist alles so traurig, was jetzt in meiner Heimat passiert", sagte die junge Israelin Vardit Brandstäter. Seit fünf Jahren lebt die 28-jährige Frau eines Deutschen in der Bundesrepublik. "Mein Bruder ist erst 20 Jahre alt und steht jetzt an der Grenze zum Libanon", erzählte sie mit zitternder Stimme. Trotzdem steht für die Hostess des israelischen Pavillons fest: "Die Hoffnung auf Frieden gebe ich niemals auf."

Auch Christine Bergmann sprach von einem Ende der Krise. Sie hoffe, dass Israelis und Palästinenser "wieder einen neuen Draht zueinander finden und die Gewalt beendet werden kann." Paul Spiegel sagte, die Kontrahenten sollten auch ohne Vermittler wieder an den Verhandlungstisch zurückfinden. Mit Blick auf die Anschläge gegen jüdische Einrichtungen in Deutschland sagte Bergmann: "Das beschämt uns und wir verurteilen diese Anschläge aufs Schärfste, zusammen mit allen demokratischen Bürgern, die friedlich miteinander leben wollen."

Der Geschäftsträger des Staates Israel in Deutschland, Mordechai Lewy, betonte, wie bedeutend die Teilnahme Israels an der Weltausstellung sei. "Es ist wichtig, Flagge zu zeigen in diesem Land, ein halbes Jahrhundert nach der Judenvernichtung." Als Zeichen der Erinnerung habe er an dem Mahnmal für die ermordeten Juden am Opernplatz in Hannover einen Kranz niedergelegt. Ihm sei klarer als je zuvor, dass es richtig sei, die Fahne Israels in einem Land zu zeigen, in dem die Judenverfolgung erarbeitet und durchgeführt worden sei.

Die Feierlichkeiten auf der Expo-Plaza hatten unter verstärkten Sicherheitsvorkehrungen begonnen. Die Besucher wurden von Polizeibeamten kontrolliert, Hubschrauber zogen seit den frühen Morgenstunden ihre Kreise über dem Gelände. Der israelische Pavillon war für Expo- Besucher hermetisch abgeriegelt, israelische Beamte kontrollierten die zugelassenen Journalisten. "Der Nationentag ist ohne jegliche Störung verlaufen", sagte ein Polizeisprecher am Nachmittag.

"Auf der Expo haben wir bisher alle friedlich zusammengelebt", sagte die israelische Hostess. Schon oft habe sie die Palästinenser, deren Pavillon nur wenige Meter vom israelischen entfernt liegt, besucht: "Auf der Expo ist alles anders - alle Grenzen sind weg."

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