Politik : Expo Flop: Die Weltausstellung ist ein Reinfall. Das sagt jeder der rechnen kann

Markus Huber

Ja, auch auf der Expo in Hannover gibt es Leben; hektisches Leben sogar. Beim Westeingang, dort, wo auch das Pressezentrum steht, gibt es ein paar Räume, wo seit zwei Wochen gearbeitet wird wie verrückt. In Spitzenzeiten quetschen sich bis zu 30 Menschen in die spartanische, weil behelfsmäßig eingerichtete Hütte. Allerlei technisches Inventar steht herum. Es ist laut in der Büroattrappe, die Papierberge stapeln sich klischeehaft hoch; es ist richtig turbulent. Ja, so muss es sein, schließlich ist das hier eine Werbeagentur.

Seit acht Tagen werkeln in dem Container die Mitarbeiter der Düsseldorfer DDB. Es ist Mittwochmittag, und noch sind es 24 Stunden bis zur Präsentation. Dann soll eine relativ einfache Antwort auf eine relativ schwierige Frage gegeben werden: Wie verkauft man etwas, das als ziemlich unverkäuflich gilt? Etwas, das zu wenige Menschen interessiert? Kurz: Wie verkauft man die Expo?

Bisher hat das noch nicht geklappt. Pro Tag kommen etwa 90 000 Menschen auf das Messegelände - erwartet wurden mehr als doppelt so viele. Kein guter Schnitt angesichts der 200 Millionen Mark, die die Kampagne der bisher beauftragten Agentur KNSK gekostet hat. Ob es am wenig aussagekräftigen Titel "Natur - Mensch - Technik" lag? Spötter meinen, die einzigen Plakate, die bisher funktionierten, waren die Umfahrungstafeln auf der Autobahn.

Werner Krainz würde so etwas nicht über die Lippen kommen - was schade ist, denn wenn er so etwas sagen würde, käme es aus berufenem Munde. Krainz ist Creative Director bei DDB und soll den absaufenden Expo-Kahn wieder flott machen. Zunächst einmal hat sich DDB ein neues Motto für die Epo ausgedacht: "Fun and Fantasy". Werber Krainz sagt: "Bisher hat der Unterhaltungscharakter der Expo in der Kampagne einfach gefehlt. Dabei kann man hier einiges erleben." Zugegeben, das neue Motto trifft die Sache schon eher. Denn nur wenige Besucher interessierten sich bisher für die architektonischen und innovativen Meisterleistungen. Außer vielleicht für die innovative Architektur des türkischen Pavillons, aber das hat auch eher mit "Fun" und "Fantasy" zu tun als mit Bildung. Mensch, Natur und Technik spielen nur am Rande eine Rolle.

Wie in der modernen Werbung üblich, hat sich DDB entschieden, Prominente aus Funk und Fernsehen vor den Expo-Karren zu spannen. Und nein, "der Prinz", Ernst August von Hannover, gehört nicht dazu. Er und seine Auslassungen haben schon genügend zusätzliche Besucher angelockt.

Statt dessen sollen es Verona Feldbusch und Peter Ustinov richten, ganz getreu dem neuen Motto. Verona Feldbusch ist dafür eine prima Besetzung - sie steht für "Fun" und "Fantasy". Aber Peter Ustinov? Fun? Fantasy? Werner Krainz schmunzelt: "Natürlich wollen wir weiter betonen, dass es auch für Bildungshungrige einiges zu sehen gibt. Die Auswahl unserer beiden Werbeträger zeigt die beiden Facetten der Expo."

Aber: Mittwochnachmittag, keine 24 Stunden mehr. Die Spots sind noch längst nicht fertig, und Krainz und sein Team sind um ihren Job nicht zu beneiden. Gerade einmal acht Tage hatte das DDB-Team, um die neue Expo-Kampagne aus dem Hut zu zaubern. Inklusive der Dreharbeiten, inklusive der "Post-Production" (neudeutsch für die Nachbearbeitung des Rohmaterials), und natürlich auch inklusive der Nachbesprechung mit den Hauptdarstellern. Normalerweise, sagt Krainz, würde man dafür drei Monate brauchen.

24 Stunden vor der Präsentation, und alles ist wirklich hektisch. Die Fernsehspots sind noch längst nicht fertig. Die Hauptdarsteller Feldbusch und Ustinov haben noch einiges auszusetzen. Kein Problem an sich, behauptet Krainz: "So etwas gehört dazu." Dann ist da aber noch dieser Nachsatz: "Normalerweise kann man das alles in Ruhe erledigen." Hier, in Sachen Expo, sieht die Sache so aus, dass Krainz mit Ustinov 20 Stunden vor der Präsentation durch Hannover rast. Hektisch. Und der Spot, wie bereits erwähnt, ist noch längst nicht fertig.

Ist das alles verrückt? Kritiker der Expo - und davon gibt es viele - monierten bereits, dass auch die neue Kampagne wenig helfen werde. Ein Schnellschuss sei sie.

Am Ende wurde DDB mit den Spots fertig. Rechtzeitig sogar, und so werden von Montag an Feldbusch und Ustinov auf allen deutschen Kanälen durch die Werbespots tingeln. Regie hat Wim Wenders geführt. Ein richtiger Kraftakt. Und wie wichtig der für Deutschland ist, zeigt sich auch an der Tatsache, dass ARD, ZDF, RTL und Sat 1 für die gute Sache Gratis-Sendezeit zur Verfügung gestellt haben.

Und wenn selbst "Fun and Fantasy" niemanden nach Hannover locken? Ein Motto, das garantiert massig Besucher anlocken würde, gäbe es noch: "Kommen Sie zur Expo - Sie haben eine ganze Ausstellung für sich allein." Doch einen solchen Slogan kann sich DDB nicht vorstellen. Noch nicht.

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