Politik : Expo: Ganz im Zeichen der Völkerverständigung

Klaus Wallbaum

Die Expo in Hannover hat endlich ihr Thema, ihre unverwechselbare Botschaft. Während sich die Nachrichten über fremdenfeindliche Gewalt häufen, bietet die Weltausstellung den Kontrast dazu. Hier feiern Nationen miteinander, die sich sonst ablehnend bis feindlich gegenüberstehen. Hier wird die Freundschaft der Kulturen vorgeführt - und all das begleitet von einer ausgelassenen, beschwingten Stimmung.

Mitte August nun ist Halbzeit auf der Expo, und die Verantwortlichen ziehen eine gemischte Bilanz. Anfangs waren die Besucherzahlen weit hinter den - überhöhten - Erwartungen zurückgeblieben. Von angepeilten 40 Millionen Besuchern war die Rede, eine schier unerreichbare Zahl. Die hohe Schätzung musste sein, heißt es aus der niedersächsischen Landesregierung, weil man sonst ein so großzügig gestaltetes Expo-Gelände nie bekommen hätte. Fast sieben Millionen Besucher wurden zum Bergfest der Weltausstellung gezählt, und optimistische Prognosen sprechen nun von 20 Millionen, die bis Ende Oktober kommen könnten. Weil das nur die Hälfte der kalkulierten Anzahl ist, wird das Expo-Defizit weit stärker zu Buche schlagen. Statt der zunächst angenommenen 400 Millionen Mark werden wohl unterm Strich rund zwei Milliarden Mark herauskommen.

Aber den Expo-Managern fällt ein Stein vom Herzen, weil die Expo-Finanzen nicht mehr das alles beherrschende Thema sind. Mehr und mehr wenden sich die Berichterstatter den Inhalten zu. Hier hatte die Expo anfangs große Probleme, und dafür gab es mehrere Gründe. Zum einen blieb das Expo-Motto "Mensch, Natur, Technik" allgemein und unbestimmt. Eine Show der neuesten technischen Errungenschaften? Dies ist die Expo nicht, und wenn sie es wäre, würde das wohl kaum die Massen nach Hannover locken.

Der Expo fehlt ein Wahrzeichen

Eine Darstellung der menschlichen Fähigkeiten und der Bemühungen um Umweltschutz? Auch dies bietet die Expo nur am Rande. Außerdem fehlt der Weltausstellung ein Wahrzeichen - das zentrale Bauwerk, das jeder einmal selbst gesehen oder betreten haben will.

Erst mit der Zeit schälte sich heraus, wofür die Expo tatsächlich steht - für die Völkerverständigung. Wie stark das Miteinander der Kulturen gefördert werden muss, zeigt sich an den Übergriffen auf Ausländer in Deutschland. Die Expo bietet ungewöhlichen Anschauungsunterricht. Friedlich nebeneinander präsentieren sich Nationen und Kulturen, die sich außerhalb Hannovers meiden. In Halle 17 beispielsweise ist der israelische Pavillon wenige Fußschritte von den Ständen Ägyptens, Syriens und der palästinensischen Behörde entfernt. Regelmäßig wird zu "arabischen Nächten" eingeladen, bei denen die Israelis nicht ausgegrenzt werden.

Zwei bis vor kurzem Krieg führende Länder, Äthiopien und Eritrea, sind jeweils mit eigenen Pavillons auf der Expo präsent. Ein Mitarbeiter aus Äthiopien berichtet, dass man sich auch schon gegenseitig besucht habe. Große Freundschaften seien zwar nicht entstanden, aber man begegne sich gegenseitig in Respekt. Überhaupt herrscht in der Halle der afrikanischen Länder eine stets freundliche und heitere Stimmung, jeden Abend wird Musik geboten, Schwarze und Weiße reden miteinander. Jeden Tag gibt es dutzende Beispiele für gelungene Kontakte zwischen den verschiedenen Nationalitäten.

Breuel zieht positive Halbzeitbilanz

Hannover (BS). Eine betont positive Bilanz zur Halbzeit der Hannoveraner Expo 2000 hat Generalkomissarin Birgit Breuel gezogen. Bei der Pressekonferenz zur Expo-Halbzeit nach den ersten 76 Tagen sagte Breuel am Mittwoch in Hannover, die Weltausstellung habe "einen Traumstart gehabt, danach Turbulenzen und Schatten". Inzwischen aber werde "das Licht immer heller". Während Breuel die Bedeutung der Zahl von bislang 6,8 Millionen Besuchern herunterspielte - sie liegt deutlich unter den angepeilten 40 Millionen Gästen - hob sie die positive Stimmung bei Ausstellern und Besuchern hervor. Die Besucherzufriedenheit erreiche Umfragen zufolge 95 Prozent.

Expo-Mitgeschäftsführer Reinhard Volk fügte hinzu, der Besucherstrom nehme seit einigen Wochen kontinuierlich zu. Erst vor einer Woche sei mit 123 000 Tickets im Vorverkauf die höchste Zahl erreicht worden. Beim Themenpark habe sich die Durchschnittszahl der täglichen Besucher von 89 000 im Juni auf 127 000 im August erhöht. Zur Frage der Wirtschaftlichkeit sagte Breuel, die Expo werde trotz der deutlich unter den ursprünglichen Prognosen bleibenden Gesamtzuschauerzahl "volkswirtschaftlich immer noch ein Erfolg sein". Die zuvor auf mindestens drei Milliarden Mark geschätzten Steuermehreinnahmen würden erreicht werden, zumal ein Gutteil bereits während der Aufbauphase angefallen sei.

» Mehr Politik? Tagesspiegel lesen + 50 % sparen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben