Extremismus : Neonazis schmieren und stehen für NS-Täter Rudolf Heß

Zum Todestag des NS-Verbrechers Rudolf Heß am Montag hat die Neonazi-Szene verstärkte Aktivitäten gezeigt. Wie die Nachrichtenagentur KNA berichtete, musste die Polizei bereits am Wochenende bei zwei Neonazi-Aufmärschen in Mecklenburg einschreiten.

Berlin - Zum Todestag des NS-Verbrechers Rudolf Heß am Montag hat die Neonazi-Szene verstärkte Aktivitäten gezeigt. Wie die Nachrichtenagentur KNA berichtete, musste die Polizei bereits am Wochenende bei zwei Neonazi-Aufmärschen in Mecklenburg einschreiten, von denen zumindest einer im Zusammenhang mit dem Todestag stand. Am Samstagabend zogen rund 150 Angehörige der rechten Szene durch Friedland im Landkreis Mecklenburg-Strelitz. Dort wurden nach Polizeiangaben Transparente mit Bezug zu Hitlers Stellvertreter Heß mitgeführt.

Bei einem Einkaufscenter in der Spandauer Wilhelmstadt sind am Montagmorgen rechte Schmierereien entdeckt worden. Dort, wo früher das Kriegsverbrechergefängnis stand, in dem Heß eingesperrt war, haben Unbekannte großflächig mit schwarzer Farbe rechte Parolen und Bilder von Heß auf den Asphalt der Zufahrten und Parkflächen geschmiert. Zudem hinterließen die Täter Flyer auf dem Parkplatz. Der 17. August gilt als eine Art Feiertag der Neonaziszene. Rudolf Heß hatte sich am 17. August 1987 im damaligen Kriegsverbrechergefängnis erhängt. Viele Neonazis propagieren hingegen, dass Heß ermordet worden sei. Er wird in der rechten Szene als Märtyrer angesehen.

Für Montagabend planten Rechtsextremisten Spontanversammlungen, so genannte Flashmobs, in mehr als 100 Städten deutschlandweit. Die Rechten wollten vor Rathäusern oder auf Marktplätzen „wie versteinert stehen um ein spannendes Stillleben für die Presse zu schaffen“, wie es auf einer rechten Internetplattform heißt. In Brandenburg verhinderte die Polizei mit einem Großaufgebot die angekündigten Spontanaktionen. Ein Polizeisprecher sagte dem Tagesspiegel am Abend: „Der Flashmob fand nicht statt.“ Vereinzelt wurden wie in Wittstock in Nordbrandenburg oder in Ludwigsfelde südlich von Berlin Platzverweise ausgesprochen und Personaldaten aufgenommen. In Lübben verhinderte die Polizei ein Aufmarsch von 40 Neonazis. An den meisten Orte sind diese jedoch nicht einmal zu den im Internet verabredeten Treffpunkten erschienen, weil dort die Polizei massiv präsent war oder Gegenaktionen stattfanden.

Im bayerischen Wunsiedel, wo Rudolf Heß begraben ist, fanden hingegen keine rechten Demonstrationen statt. Die hatte das Landratsamt bereits im Jahr 2005 verboten. Das Verbot wurde am Donnerstag vom Bundesverfassungsgericht erneut bestätigt. Über viele Jahre hinweg war Wunsiedel das Zentrum der Heß-Gedenkveranstaltungen. mam/tabu/axf

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