Politik : Exzellenz hält Händchen

Skandalträchtig: Die Frau des EZB-Chefs Duisenberg bei Arafat

Klaus Bachmann[Brüssel]

Gretta Duisenberg, die Ehefrau des Präsidenten der europäischen Zentralbank, hat ihre Meinung im Nahost-Konflikt und ihre einseitige Sympathie für die Palästinenser schon des Öfteren medienwirksam zur Schau gestellt. Jetzt hat sie in einem Interview mit der niederländischen Zeitung „Algemeen Dagblad“ wieder verbal zugeschlagen. „Mit Ausnahme des Holocaust ist die Besetzung der palästinensischen Gebiete schlimmer als die Besetzung der Niederlande durch die Nazis", sagte die Gattin von Wim Duisenberg nach einem Besuch in Dschenin. Die Israelis würden die Häuser der Familien von Selbstmordattentätern in die Luft sprengen. Und das hätten nicht einmal die Nazis in den Niederlanden getan.

Das ist nicht der einzige Vergleich, den Frau Duisenberg zum Besten gibt. Die Mauer um Dschenin, gebaut, um jüdische Siedler vor Selbstmordattentätern zu schützen, sei „schlimmer als die Berliner Mauer“. Im Südafrika der Apartheidszeit hätten Bürger mehr Bewegungsfreiheit gehabt als die Palästinenser derzeit in Israel. Die Grausamkeit der Israelis kenne keine Grenzen.

Die niederländischen Medien und Politiker aller Parteien kritisieren Duisenbergs Trip in den Nahen Osten. Die Reise sei wenig hilfreich, weder für die Sache der Palästinenser, noch für die niederländische Außenpolitik. Außenminister Jaap de Hoop Scheffer warf Gretta Duisenberg vor, dass sie für ihre Reise nach Israel einen Diplomatenpass nutze, der eigentlich nur für Dienstreisen gebraucht werden sollte. Der Außenminister kündigte an, Frau Duisenberg einen Brief zu schreiben. Jetzt erhielt er wiederum einen Brief von Wim Duisenberg. Der stellte sich „zu 100 Prozent“ hinter seine Frau.

Unterdessen besuchte Gretta Duisenberg Palästinenser-Chef Jassir Arafat, der sie mit „Exzellenz" ansprach. Händchenhaltend zeigte sie sich mit Arafat den Kamerateams und Fotografen. Zwei Mitgliedern ihrer Delegation „Stoppt die Besetzung“ war das offenbar zu viel. Sie verweigerten ihr für den Besuch in Dschenin die Gefolgschaft.

Gretta Duisenbergs Ankunft in Israel Anfang dieser Woche fiel mit einem Selbstmordattentat zusammen, bei dem 23 Israelis starben. In einer Stellungnahme äußerte Frau Duisenberg Verständnis für die Selbstmordattentäter, die „keine Zukunftsperspektive haben“.

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