Fachkräftemangel : EU will Grenzen für qualifizierte Einwanderer öffnen

In Europa stehen tiefgreifende Änderungen am Einwanderungsrecht an: Um die EU-Länder attraktiver für hochqualifizierte Arbeitskräfte zu machen, will die Kommission nach dem US-Vorbild der "Green Card" die Grenzen für bis zu 20 Millionen Menschen öffnen.

Lissabon/BrüsselDiesen Vorschlag will EU-Justizkommissar Franco Frattini am 23. Oktober unterbreiten, wie er bei einer Einwanderungskonferenz in Lissabon ankündigte. Damit will der italienische Kommissar den Fachkräftemangel auf dem europäischen Arbeitsmarkt bekämpfen. Die deutsche Wirtschaft beklagt, dass es derzeit nicht genug hochqualifizierte Ingenieure gebe.

Die "Blue Card" ist durch die blaue Europaflagge mit den zwölf Sternen inspiriert. Sie soll Fachkräften aus Drittländern nach Frattinis Angaben für zunächst zwei Jahre die Arbeit in der EU ermöglichen. Der Aufenthalt ist verlängerbar. Unter bestimmten Umständen soll der Arbeitnehmer auch das EU-Gastland wechseln können.

Gut ausgebildete Arbeitskräfte gehen in die USA

"Wir müssen die Einwanderung als Bereicherung und als unvermeidliche Erscheinung der heutigen Welt sehen, nicht als Bedrohung", sagte Frattini laut Redemanuskript. Der Kommission zufolge konkurriert Europa seit langem mit Ländern wie den Vereinigten Staaten, Australien, Kanada oder den aufstrebenden Nationen Asiens um hochqualifizierte Arbeitskräfte. Derzeit sind aber nur fünf Prozent der Einwanderer in die EU Fachkräfte, während es in den USA mit 55 Prozent elf Mal so viele sind. "Diese Zahlen müssen wir mit einer neuen Vision umdrehen, und dafür brauchen wir neue Mittel", sagte Frattini. Dazu sollen die neuen EU-Gesetze dienen.

Besonders in Deutschland macht sich eine Überalterung der Bevölkerung bemerkbar, der durch die Einwanderung von qualifizierten und jungen Arbeitskräften gebremst werden könnte. Für die kommenden Jahrzehnte prognostiziert die Kommission eine sinkende EU-Bevölkerung von derzeit 490 Millionen Menschen. Im Jahr 2050 wird laut Frattini jeder dritte EU-Europäer älter als 65 Jahre sein. Frattinis Vorschlag müssen noch die EU-Staaten zustimmen. 

Zahlen zur gewünschten Zuwanderung nannte Frattini nach Angaben seines Stabes nicht. Studien bezifferten den Bedarf eingewanderter Arbeitskräfte in der Europäischen Union bis zum Jahr 2020 auf 20 Millionen, sagte ein Kommissionssprecher. 30 Jahre später würden es schätzungsweise 50 Millionen sein. (mit AFP/dpa)

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