Fachkräftemangel : Experten fordern mehr Einwanderung

Angesichts des wachsenden Fachkräftemangels in Deutschland mehren sich die Forderungen, das Zuwanderungsrecht zu lockern.

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Ohne eine Öffnung des Arbeitsmarkts könne eine Exportnation wie Deutschland „in der globalisierten Welt nicht bestehen“, sagte der Direktor des Bonner Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA), Klaus Zimmermann. Der Wissenschaftler wendet sich dabei gegen Forderungen aus Teilen der Union, sich um die Integration von deutschen Arbeitslosen in den Arbeitsmarkt zu kümmern, statt mehr Zuwanderer ins Land zu holen. Arbeitslose und Zuwanderer gegeneinander auszuspielen, „bringt uns nicht weiter“, sagte Zimmermann, der auch Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) ist.

Bis zum Jahr 2030 werden nach Prognosen des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), das der Bundesanstalt für Arbeit wissenschaftlich zuarbeitet, rund 5,5 Millionen Fachkräfte fehlen. Für Unternehmen wird es zunehmend schwierig, geeignetes Personal zu finden: Die geburtenstarken Jahrgänge in Deutschland nähern sich allmählich dem Rentenalter, es rücken nicht im gleichen Umfang qualifizierte Arbeitskräfte nach. Schon jetzt haben manche Firmen Probleme, ihre Lehrstellen zu besetzen. Mittelfristig werden nach Untersuchungen der IAB-Wissenschaftler Ingenieure fehlen, aber auch bei Akademikern im Allgemeinen werde ein Engpass entstehen.

Der Arbeitsmarktexperte Johannes Vogel bekräftigte daher am Wochenende die FDP-Forderung, im Zuwanderungsrecht ein Punktesystem einzuführen, um flexibel auf den Bedarf der jeweiligen Branchen zu reagieren. Für all diejenigen, die ein bestimmtes Qualifikationsniveau erreicht hätten, müssten „alle Hürden“ beseitigt werden, sagte er der „Welt am Sonntag“. Die Qualifikation Arbeitsloser sei zwar entscheidend, doch sie werde schon rein zahlenmäßig nicht genügen. „Selbst wenn wir Vollbeschäftigung erreichen, werden in unseren Betrieben Millionen Fachkräftestellen unbesetzt bleiben“, prognostizierte Vogel.

Um den künftigen Arbeitskräftemangel zu lindern, empfehlen die IAB-Forscher ein Bündel von Maßnahmen: Neben der Vermeidung von Abwanderung und mehr gezielter Zuwanderung nennen die Wissenschaftler Bildung und berufliche Weiterbildung: Gerade Kinder mit Migrationshintergrund und aus bildungsschwachen Elternhäusern müssten früh gefördert werden, damit sich ihre Bildungschancen verbessern. Von 100 Kindern aus Akademikerfamilien studierten derzeit 83, von 100 Kindern aus Familien ohne akademische Tradition nur 23.

Auch IZA-Direktor Zimmermann forderte „Politik aus einem Guss“ – dazu sei es sinnvoll, ein Bundesministerium für Integration und Zuwanderung einzurichten, in dem alle wirtschaftlichen, sozialen und bildungspolitischen Aspekte gebündelt würden. Der FDP-Arbeitsmarktpolitiker Vogel hält darüber hinaus einen Sinneswandel in der Bevölkerung für erforderlich: „Die deutsche Gesellschaft sollte endlich von ganzem Herzen wollen, was sie dringend braucht: mehr Zuwanderung.“ (mit ddp)

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