Fall al Masri : NDR-Reporter enttarnen mutmaßliche Entführer

Im Fall des nach Afghanistan verschleppten Deutsch-Libanesen Khaled al Masri hat das Polit-Magazin "Panorama" nach eigenen Angaben drei der Entführer der CIA vermutlich enttarnt.

München/Hamburg - Im Entführungsfall des Deutsch-Libanesen Khaled al Masri werden Haftbefehle gegen die möglicherweise aus den USA stammenden Täter wahrscheinlicher. Die Münchner Staatsanwaltschaft erhielt nach eigenen Angaben von den spanischen Behörden eine Liste mit knapp 20 Namen der mutmaßlichen Entführer. "Um die Identität dieser Personen feststellen zu können, haben wir nun ganz konkrete Nachfragen an die spanischen Behörden", sagte Oberstaatsanwalt August Stern. Er bestätigte damit einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung". Angaben zur Nationalität der mutmaßlichen Entführer wollte Stern nicht machen. Ob Haftbefehle beantragt werden können, hänge von den weiteren Ermittlungen ab.

Nach Informationen des NDR-Magazins "Panorama" handelt es sich bei drei der Verdächtigen um Piloten, die vermutlich für den US-Geheimdienst CIA arbeiteten. Die Männer wohnten im US-Bundesstaat North Carolina und seien unter den Decknamen Eric Fain, James Fairling und Kirk James Bird für die Verschleppungsaktion nach Spanien gereist. Wie der NDR unter Berufung auf Angaben der spanischen Polizei weiter berichtete, wurde Al Masri von einer 13-köpfigen Agententruppe mit einer Boeing 737 entführt. Die Maschine mit der Nummer N313P sei von Palma de Mallorca gestartet und habe Al Masri dann von Mazedonien nach Afghanistan gebracht. Al Masri ware nach eigenen Angaben an Silvester 2003 in Mazedonien gekidnappt und dann nach Afghanistan verschleppt und misshandelt worden. Insgesamt befand sich Al Masri fünf Monate in Haft.

Barroso als Zeuge

Laut "Panorama" konnte die spanische Polizei die Namen aller Flugzeugpassagiere ermitteln. Es handele sich aber zumeist um Tarnidentitäten. Der Redaktion sei es anhand aufgezeichneter Telefonate gelungen drei der mutmaßlichen Täter zu ermitteln. Ein Reporter habe die Piloten in den USA dann mit der Kamera besucht, doch alle drei hätten eine Stellungnahme abgelehnt. Die Piloten arbeiteten offenbar für die Firma Aero Contractors. Dabei handele es sich faktisch um die Nachfolgefirma der früheren CIA-Airline Air America.

Wie die "Financial Times Deutschland" unterdessen berichtete, wollen die Sozialisten im Europaparlament (SPE) in der Affäre um geheime Gefangenenflüge der CIA EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso als Zeugen vernehmen. Der deutsche Europaabgeordnete Wolfgang Kreissl-Dörfler (SPD) sagte der "FTD", Barroso müsse vor dem CIA-Sonderausschuss des Europaparlaments erklären, ob er als portugiesischer Regierungschef Kenntnis von US-Gefangenentransporten über portugiesisches Territorium gehabt habe. (tso/AFP)

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