Politik : Fall "Etireno": Der Fußballer und die Kindersklaven

Ulrike Scheffer

Jonathan Akpoborie ist am Dienstag nach Westafrika geflogen. Der nigerianische Fußballspieler des VfL Wolfsburg will nun selbst klären, was sich an Bord seines Fährschiffes ereignet hat. Die "Etireno" war Mitte April nach einer dreiwöchigen Irrfahrt im Golf von Guinea in seinen Ausgangshafen Cotonou in Benin zurückgekehrt. Zuvor hatte der Kapitän vergeblich versucht, Gabun und Kamerun anzulaufen. Die Hafenbehörden in Kamerun hatten Benin verständigt, sie hätten ein nigerianisches Schiff mit 100 bis 250 Kindersklaven abgewiesen. An Bord wurden dann aber lediglich 43 Kinder gefunden. Insgesamt befanden sich nach Auskunft der Hilfsorganisation Terre des Hommes 147 Personen auf der "Etireno".

Bis auf drei Babys, die bei ihren Müttern blieben, seien alle Kinder von den Erwachsenen getrennt, in einem Heim von Terre des Hommes sowie einem SOS-Kinderdorf untergebracht und eingehend befragt worden, berichtete Thomas Kurmann von Terre des Hommes. In einer gemeinsamen Stellungnahme erklärten die Regierung von Benin, die Vereinten Nationen und Terre-des-Hommes inzwischen, fünf der Kinder hätten angegeben, ihren Eltern seien vor der Abfahrt umgerechnet rund 30 Mark gezahlt worden. Acht sagten, sie reisten mit einer ihnen unbekannten Person. Damit habe sich der Verdacht des Kinderhandels bestätigt, heißt es in der Stellungnahme.

Die Kinder stammen aus Benin, Togo, Mali, Senegal und Guinea und damit aus bekannten "Lieferländern" für Kindersklaven. Einige von ihnen sagten zudem aus, sie sollten nach Gabun gebracht werden, um dort zu arbeiten. In dem ölreichen Gabun, auch die Schweiz Afrikas genannt, werden mehrere Tausend Minderjährige aus ärmeren afrikanischen Ländern vermutet. Vor allem Mädchen werden als billige Haushaltshilfen dorthin verschleppt.

Thomas Kurmann von Terre des Hommes betonte am Mittwoch, es gebe keine Hinweise auf eine Verwicklung des in Deutschland lebenden Jonathan Akpoborie in das schmutzige Geschäft mit Kindersklaven. Der bekennende Christ Akpoborie betreibt seit 1998 gemeinsam mit seiner Familie in Nigeria zwei Fährschiffe. Eines davon ist die "Etireno".

Akpoborie ging zunächst von einem Missverständnis aus, als er aus den Medien erfuhr, auf seinem Schiff befänden sich möglicherweise versklavte Kinder. Erst als sich die Verdachtsmomente nach der Befragung der "Etireno"-Passagiere verdichteten und der öffentliche Druck auf ihn immer größer wurde, entschloss sich Akpoborie, den Dingen selbst auf den Grund zu gehen. Er reiste am Dienstag zunächst nach Nigeria, wo sein Bruder das gemeinsame Fährunternehmen betreut. Akpobories Klub, der VfL Wolfsburg, hat ihn dafür bis auf weiteres von seinen Spielverpflichtungen entbunden - keinesfalls jedoch vom Spielbetrieb "suspendiert", wie es am Mittwoch in Wolfsburg hieß.

Vom Hauptsponsor des Vereins, VW, waren dagegen schärfere Töne zu hören. Danach ist die Freistellung Akpobories auf Betreiben des Sponsors erfolgt. "VW hat die Reißleine gezogen", sagte VW-Pressessprecher Kurt Rippholz dem Tagesspiegel. VW fürchtet um sein eigenes Image und möchte, dass der Fall "Etireno" möglichst schnell aufgeklärt wird. Schließlich passt eine Verbindung zum Handel mit Kindersklaven ganz und gar nicht zum sozialen Engagement des Unternehmens, das in Südafrika und Mexiko Straßenkinderprojekte unterstützt.

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