Politik : „Fall Friedman kein Angriff auf Juden“

Nachama und Cohn-Bendit halten Kritik für unberechtigt

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Berlin (rj/rvr). Mit seiner Weigerung, die Debatte um Michel Friedman als antisemitisch zu bewerten, hat Paul Spiegel, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, am Freitag Beifall von Andreas Nachama und Daniel CohnBendit erhalten. Nachama, Friedman-Kritiker und ehemals Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde in Berlin, sagte dem Tagesspiegel: „Ich begrüße es nachdrücklich, dass Spiegel richtig gestellt hat, dass die Debatte um Friedman nichts mit antisemitischen Attacken gegen Juden in Deutschland zu tun hat.“ Ähnlich äußerte sich der grüne Europapolitiker Cohn-Bendit, wie Friedman Sohn von Holocaust-Überlebenden: „Ich glaube nicht, dass die Journalisten, die den Fall Friedman hämisch begleiten, dies aus Antisemitismus tun.“ Der Ton, in dem manche die Debatte um Friedmans Abstecher ins Drogen- und Rotlichtmilieu führten, zeige vielmehr, dass sich bestimmte Kreise „am Schicksal einer einzelnen leuchtenden Figur“ berauschten. Friedmans Kollegin im Zentralrat, Vizepräsidentin Charlotte Knobloch, hatte den Umgang von Teilen der deutschen Medien als Angriff nicht allein auf Friedmans Person, „sondern auch auf die Juden in der Bundesrepublik“ bewertet. Als „latent antisemitisch“ kritisierte auch der PDS-Europapolitiker André Brie die Beiträge der Medien. „Zeit“-Herausgeber Michael Naumann, ein entschiedener Fürsprecher Friedmans, erhielt unterdessen eine zweite Strafanzeige. Nach Berlins Generalstaatsanwalt fühlt sich auch Justizsenatorin Karin Schubert (SPD) beleidigt. Naumann hatte in einem Interview zum Drogen-Verfahren gegen Friedman von einem „durchgeknallten Staatsanwalt“ gesprochen.

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