Fall Kurnaz : Anwalt sieht Mitschuld der Bundesregierung

Der US-Anwalt von Murat Kurnaz hat Berlin eine Mitschuld an der langen Haft seines Mandanten im Gefangenenlager Guantanamo vorgeworfen. Der Deutsche Bundeswehr-Verband fordert eine Aufklärung der Foltervorwürfe.

Berlin - "Hätte die Bundesregierung oder die Türkei sich früher gekümmert, wäre er früher frei gekommen", sagte Baher Azmy dem Tagesspiegel. Das betreffe vor allem die rot-grüne Regierung unter Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD). Ernste Anstalten habe es erst unter der neuen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) gegeben.

Dabei wüssten die USA und Deutschland schon seit langem, dass Kurnaz unschuldig sei, sagte der Anwalt. Das ergebe sich aus den Akten der US-Geheimdienste, die er habe einsehen können und die US-Medien in Auszügen veröffentlicht hätten.

Minutiöse Aufklärung verlangt

Kurnaz habe bereits kurz nach seiner Freilassung Misshandlungsvorwürfe gegen deutsche Soldaten erhoben, fügte Azmy hinzu, der als Juraprofessor an der Seton-Hall-Universität in New Jersey lehrt. Womöglich aus Scham habe er zunächst nicht von sich aus berichten wollen, wie er in Kandahar in Afghanistan behandelt worden sei. Auch die Informationen über die Haft in Guantanamo habe er aus ihm herausfragen müssen, betonte Azmy. In dem, was er preisgegeben habe, sei Kurnaz zuverlässig gewesen.

Der Vorsitzende des Deutschen Bundeswehr-Verbandes, Bernhard Gertz, verlangte eine minutiöse Aufklärung. "Selbstverständlich muss man den Dingen nachgehen", sagte Gertz dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Er glaube zwar nicht, dass die Vorwürfe stimmten, könne es aber auch nicht ausschließen. Der Deutsch-Türke Kurnaz hatte dem Magazin "Stern" geschildert, er sei in Kandahar von deutschen Soldaten verhört und misshandelt worden. Nach Informationen des Magazins soll es sich dabei um das Kommando Spezialkräfte (KSK) gehandelt haben. (tso/AFP/ddp)

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