Fall Kurt Westergaard : Kelek kritisiert Duckmäusertum vor Islamisten

Die Berliner Soziologin Necla Kelek wirft der deutschen Öffentlichkeit vor, angesichts islamistischer Gewalt zu versagen. Gewisse Medien würden nach dem Angriff auf den dänischen Mohammed-Karikaturisten eine "Duck and cover"-Mentalität zeigen.

Necla Kelek sieht ein Versagen der deutschen Öffentlichkeit vor islamistischer Gewalt. Es sei schon bitter, wie sich manche Medien winden, "wenn es schlicht darum geht, das Recht auf Meinungsfreiheit und das Leben eines Mannes zu verteidigen", sagte die Berliner Soziologin.  Kelek verwies auf nur spärliche Reaktionen nach dem gescheiterten Anschlag eines mutmaßlichen Islamisten auf den dänischen Mohammed-Karikaturisten Kurt Westergaard.

"Inzwischen scheint man in gewissen Kreisen offenbar nur noch froh zu sein, dass die Bomben nicht explodieren und Dänen axtfeste Türen bauen", sagte die mit dem Geschwister Scholl Preis ausgezeichnete Sozialwissenschaftlerin und Autorin ("Die fremde Braut") am Mittwoch. Es breite sich gegenüber dem Islam eine "Duck and cover"-Mentalität aus, ein Duckmäusertum.

Kelek betonte, dass Muslime wie alle Menschen in einer freien Gesellschaft Glaubensfreiheit genießen sollten. Absolut nicht in Ordnung sei dagegen die Forderung von Muslimen, ihr Glaubenssystem müsse vor Kritik, Respektlosigkeit, Spott und auch Verunglimpfung geschützt werden.

Den Islamvereinen in Deutschland warf die Soziologin vor, sich gern mit den Juden und deren Verfolgung zu vergleichen. Kritische Stimmen würden inzwischen "mit Hilfe deutscher Islamversteher" als rassistisch denunziert. "Das ist ein reines Ablenkungsmanöver und lächerlich. Aber wenn Terroristen Bomben legen oder Attentate im Namen der Religion verüben, wenn Väter ihre Töchter im Namen der von Stamm und Religion propagierten "Ehre" töten, dann hat das nach Meinung derselben Leute "nichts mit dem Islam" zu tun. Das ist bigott."

Nach Ansicht Keleks hat die Mehrzahl der Muslime in Deutschland mit Islamisten und mit den Islamvereinen nichts zu tun. "Sie sind nicht organisiert und verabscheuen die Taten und deren Ideologie. Und haben sich von dem, was als Islam propagiert wird, gelöst. Ihr Islam ist kulturelle Identität, vielleicht Glaube."

Der Islam habe, wie Kelek sagte, aber ein Problem: "Er will Leitkultur sein und nicht nur das Leben der Muslime regeln, sondern auch bestimmen, wie sich die übrige Gesellschaft gegenüber den Muslimen zu verhalten hat." Der Islam trenne zudem nicht Religion und Politik, sei also nicht säkular. Gleichzeitig habe diese Weltanschauung aber keine einheitliche Lehre davon, was diesen Glauben überhaupt ausmache. "Er ist alles und gleichzeitig nichts. Ein Gespenst. Der Islam ist in diesem Sinne verantwortungslos, weil der Gläubige nur Allah gegenüber verpflichtet ist."

Deshalb müsse die Zivilgesellschaft mit ihren Gesetzen, Regeln und Werten dieser Bewegung demokratisch die Grenzen aufzeigen. "Und eine lautet: Religion ist Teil unserer Freiheit, sie steht aber nicht über der Verfassung." Die Muslime müssten sich von der Scharia lösen, sie müssen den politischen Islam ächten und sich vorbehaltlos zur Bürgergesellschaft und deren Rechte und Pflichten bekennen. "Es gibt keinen anderen Weg ­ außer man setzt auf Konfrontation." (dpa)

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