Fall: ''L’Arche de Zoé'' : Der Befreier aus Paris

Präsident Sarkozy ließ sich gestern die Gelegenheit nicht nehmen, die Verdächtigen im Fall "L’Arche de Zoé“ persönlich mit einem Airbus- A319 der französischen Luftwaffe aus dem Tschad abzuholen und nach Hause zu bringen.

Rudolf Balmer[Paris]
Sarkozy Foto: tsp
Sarkozy holt Verdächtige im Fall "L'Arche de Zoe" ab.Foto: tsp

In Paris sollten die vier Spanierinnen dann von spanischen Behörden abgeholt werden und die weitere Rückreise in die Heimat antreten. Sarkozys Engagement erinnert ein wenig an die spektakuläre Intervention seiner Ex-Gattin Cécilia in Tripolis bei der Haftentlassung von fünf bulgarischen Krankenschwestern und einem Arzt im Juli. Nur hat in diesem Fall Sarkozy tatsächlich selber – und nicht hauptsächlich die EU wie im Falle Libyens – alles Notwendige unternommen, um dafür zu sorgen, dass die drei Journalisten und die Besatzungsmitglieder einer spanischen Fluggesellschaft nicht länger als Komplizen der versuchten Entführung von 103 Kindern aus dem Tschad durch "L’Arche de Zoé“ festgehalten werden.

Ihre Freilassung war nur noch eine Frage der Zeit, seit der tschadische Präsident Idriss Déby Itno nach zwei längeren Telefongesprächen mit Sarkozy am Donnerstag angekündigt hatte, dass die drei Journalisten und die spanischen Flughostessen aus der Haft entlassen würden, weil sie in die pseudohumanitäre Aktion von "L’Arche de Zoé“ "nicht verwickelt“ wären. Déby hat den Druck aus Paris auf die Vertreter der Justiz seines Landes weitergeleitet, die zuvor noch eine Gegenüberstellung aller 17 verdächtigten Europäer und vier Tschader organisieren wollten. Ein erstes Verhör der französischen Journalisten und der vier spanischen Flugbegleiterinnen genügte dann doch, um jede Strafuntersuchung gegen sie einzustellen und ihre Inhaftierung zu beenden. Wesentlich beigetragen dazu hat auch der Gründer von "Zoés Arche“, Eric Breteau, der angeblich bei seiner ersten Anhörung durch den Untersuchungsrichter am Samstag die ganze Verantwortung für eine "humanitäre“ Aktion übernahm, die sich zuerst als Fiasko und dann als eigentlicher humanitärer Skandal entpuppte.

Der Arzt Thierry S., der Breteau bei einer früheren humanitären Aktion kennengelernt hatte, erklärte im "Journal du Dimanche“, wie er von ihm für eine Operation im Darfur-Gebiet gewonnen worden war, und erst vor Ort im Tschad begriff, dass die Einrichtung eines "medizinischen Vorpostens“ in Wirklichkeit der Vorbereitung einer illegalen „Evakuierung“ von Kindern dienen sollte. In Frankreich, wo eine Strafuntersuchung gegen "L’Arche de Zoé“ wegen illegaler Ausübung des Berufs der Adoptionsvermittlung eingeleitet wurde, haben drei Familien, die an Breteau 2500 Euro oder mehr bezahlt hatten, eine Betrugsklage eingereicht. In mehreren Städten demonstrierten Anhänger von "Zoés Arche“ zur Unterstützung der sechs weiterhin im Tschad inhaftierten Mitglieder der Organisation.

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