Fall Litwinenko : Russischer Botschafter weist Merkel-Kritik zurück

Der russische Botschafter Waldimir Kotenew hat die Ermahnung der Kanzlerin zur besseren Unterstützung nachdrücklich zurückgewiesen. Unterdessen hat Scotland Yard Ermittlungen in Hamburg aufgenommen.

Berlin - "Die Mitarbeit ist da und unsere Behörden kooperieren auch mit Scotland Yard", sagte Kotenew in der ARD-Sendung "Sabine Christiansen". Die russische Staatsanwaltschaft habe auch ein eigenes Verfahren eingeleitet. Der Botschafter versicherte: "Wir sind nicht minder interessiert, die Wahrheit zu erfahren."

Merkel hatte angesichts der mysteriösen Vergiftung des russischen Ex-Spions Alexander Litwinenko durch das radioaktive Polonium 210 und weiterer Todesfälle in Russland von einer "gewissen Beunruhigung" gesprochen. Sie verwies dabei auch auf den Mord an der russischen Journalistin Anna Politkowskaja. Im Fall Litwinenko forderte sie eine enge Zusammenarbeit zwischen den russischen und den britischen Behörden. "Ich hoffe, dass das Ganze aufgeklärt werden kann", sagte sie in der ARD-Sendung "Beckmann", die am Montagabend ausgestrahlt wird. Es sei für die Akzeptanz und das Ansehen Russlands im Ausland wichtig, dass solche Fälle geklärt würden.

Unterdessen ist am Montag ein Beamter von Scotland Yard in Hamburg eingetroffen. Der britische Fahnder unterstütze die deutschen Sicherheitsbehörden bei ihren Ermittlungen, sagte ein Polizeisprecher. Im Mittelpunkt der Nachforschungen steht der frühere russische Geheimdienstagent Dimitri Kowtun, der am 1. November von Hamburg aus nach London geflogen war. Ihm werden Polonium-Spuren zugeschrieben, die unter anderem in der Wohnung seiner früheren Frau im Hamburger Bezirk Altona, im Haus von Kowtuns Ex-Schwiegermutter in Haselau (Kreis Pinneberg) sowie in der Hamburger Ausländerbehörde gefunden wurden, wo der Russe eine Unterschrift geleistet hatte.

Giftanschlag in Hotelbar?

Ein Busticket in der Jacke Litwinenkos weist nach Angaben der britischen Zeitung "Daily Mirror" darauf hin, dass dieser tatsächlich in einer Londoner Hotelbar mit Polonium vergiftet wurde. Die Fahrkarte sei am 1. November in der Nähe von Litwinenkos Wohnung gekauft worden, schrieb die Zeitung unter Berufung auf ungenannte Polizeiquellen. Der Bus, den Litwinenko genommen habe, sei nicht mit Polonium verseucht gewesen, hieß es in dem Bericht weiter. In dem Hotel wurden dann aber Spuren dieses radioaktiven Stoffs entdeckt. Litwinenko traf sich am 1. November in der Hotelbar unter anderen mit den früheren russischen Spionen Dimitri Kowtun und Andrej Lugowoi. Anschließend zeigte er erste Vergiftungssymptome. Er starb am 23. November in London. (tso/AFP)

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