Fall Litwinenko : Spur führt nach Deutschland

Bei den Ermittlungen im Fall des russischen Kreml-Kritikers Litwinenko führt eine Spur nach Norddeutschland. BKA-Spezialisten entdeckten Polonium-Spuren in der Wohnung der Ex-Frau des russischen Kontaktmanns Kowtun.

Hamburg - Im Zuge der Ermittlungen zum Giftmord an dem Kreml-Kritiker Alexander Litwinenko führen Spuren nach Norddeutschland. Spezialisten des Bundeskriminalamtes (BKA) entdeckten Spuren von Polonium in der Wohnung der Ex-Frau des russischen Geschäftsmannes Dimitrij Kowtun in einem Hamburger Mehrfamilienhaus. Auch in dem Haus der Schwiegermutter Kowtuns im schleswig-holsteinischen Haselau wurden radioaktive Rückstände gemessen. Ohne Ergebnis blieb derweil die Untersuchung einer Maschine der Fluggesellschaft Germanwings, mit der der russische Kaufmann Dimitrij Kowtun, der als Kontaktmann von Litwinenko gilt, am 1. November von Hamburg aus nach London geflogen war.

Kowtun hatte sich am 1. November mit Litwinenko in der britischen Hauptstadt getroffen. Daher richtete die Polizei eine Sonderkommission "Dritter Mann" ein, die alle Bewegungen von Kowtun rekonstruieren soll, der von der Hamburger Polizei mit der Ermordung Litwinenkos in Zusammenhang gebracht wird. Litwinenko soll nach Angaben von Kowtun ein Mittelsmann für ein Handelsgeschäft gewesen sein.

30 Bewohner mussten Haus verlassen

Unterdessen entdeckten Spezialisten in dem Mehrfamilienhaus im Hamburger Stadtteil Ottensen, wo Kowtun wohnt, in der Wohnung seiner deutschen Ex-Frau Spuren radioaktiver Strahlung, die auf das Gift Polonium hinweisen. Näheren Aufschluss soll ein bis zu zwei Tage dauernder Feinscan ergeben, mit dem Experten am Samstag begannen. Die rund 30 Bewohner des Hauses waren aufgefordert, dazu ihre Wohnungen zu verlassen. Für sie wurden Ersatzunterkünfte bereitgestellt.

Vor dem Hamburger Mehrfamilienhaus richteten Mitarbeiter des technischen Einsatzteams der Bundespolizei eine Dekontaminations-Anlage ein für den Fall möglicher Verstrahlungen von Bewohnern oder Einsatzkräften. Allerdings ist die Gefahr gering, da die Strahlung von Polonium nur wenige Zentimeter weit reicht. Von Strahlenexperten wird Polonium daher als relativ ungefährlich eingestuft, solange es nicht mit der Nahrung aufgenommen wird.

Flugzeug nicht kontaminiert

In Haselau im schleswig-holsteinschen Kreis Pinneberg wurde derweil in einem Haus Alphastrahlung gemessen, die von dem radioaktiven Giftstoff ausgegangen sein könnte. Weitere Untersuchungen sollen zeigen, ob es sich dabei wirklich um Polonium handelt. Die Ex-Frau Kowtuns, deren zwei Kinder sowie die Ex-Schwiegermutter Kowtuns wurden von der Polizei befragt. Das Haus in Haselau wurde gesperrt.

Im Zusammenhang mit dem Flug Kowtuns nach London-Gatwick wurde am Samstag auf dem Kölner Flughafen ein Airbus der Fluggesellschaft Germanwings auf mögliche Strahlung überprüft. "Wir sind sehr erleichtert, dass unser Flugzeug nicht kontaminiert ist", sagte Airline-Chef Thomas Winkelmann. Bei der Überprüfung durch das Bundesamt für Strahlenschutz sind den Angaben zufolge keinerlei Spuren von Polonium 210 gefunden worden. (Von André Klohn, ddp)

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