Fall Mannichl : Jenseits der Spur

Im Fall Mannichl häufen sich die Spekulationen. Warum stammt die Tatwaffe aus Mannichls Haus? Und warum sind daran keine DNA-Spuren zu finden? Die Polizei tappt im Dunkeln

 Barbara Junge,Mirko Weber
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„Ich gehe durch ein tiefes Tal“ - Alois Mannichl zu Anwürfen gegen ihn.Foto: ddp

München - Die Polizei rätselt offenbar an einer Reihe von Ungereimtheiten in dem Fall. Die Staatsanwaltschaft immerhin hofft auf eine bessere Auswertung der Spuren. Und Alois Mannichl selbst wehrt Verdächtigungen gegen seine Person wütend ab. Die Ermittlungen zur Messerattacke auf den Passauer Polizeipräsidenten, der am 13. Dezember vor seinem Privathaus bei Passau niedergestochen und schwer verletzt worden war, haben bisher nicht allzu viel ergeben. Außer einen guten Nährboden für Spekulationen.

Gleich nach dem Angriff war politisch einiges in Bewegung gekommen. Tagelang hat das ganze Land zunächst eine NPD-Verbotsdebatte geführt, da die Fahnder mehrheitlich davon ausgingen, dass der mutmaßliche Täter aus dem rechtsradikalen Milieu stamme. Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer hatte von Anfang an durch seine Anwesenheit am Krankenbett Mannichls in Passau keinen Zweifel daran aufkommen lassen, dass er die Angelegenheit als Chefsache betrachte. Anfang nächster Woche will das bayerische Kabinett einige Verschärfungen im gesellschaftlichen Umgang mit Rechtsradikalen beschließen und wohl auch übereinkommen, ein Verbotsfahren gegen die NPD aufzurollen.

Da die Suche nach einem rechtsextremen Täter bislang aber erfolglos geblieben ist, stellen sich Ermittler nun andere Fragen. Warum war die Tatwaffe ein Messer aus Mannichls Haus? Konnte Mannichl den Mann nicht deutlicher beschreiben? Und wie kommt es, dass auf dem Messer keine fremde DNA gefunden wurde?

Der inzwischen wieder in den Dienst zurückgekehrte Polizeichef weist Spekulationen über einen familiären Hintergrund des Angriffs empört zurück. „Ich bin wütend“, sagte er der „Passauer Neuen Presse“ . Dass er sich als erfahrener Polizist nur vage an den Messerstecher erinnert habe, ist einer der Anwürfe. „So ein Unsinn, es war ziemlich dunkel, weil nur die Weihnachtsbeleuchtung brannte“, kommentiert Mannichl. „Es ging mir um mein Leben – und sonst gar nichts.“

Dafür, dass er mit dem eigenen Küchenmesser vom Täter schwer verletzt wurde, hat Mannichl ebenfalls eine Erklärung. Drei Tage vor der Tat seien 60 bis 70 Nachbarn bei einer Adventsaktion vor seinem Reihenhaus gewesen. Dabei sei den Menschen im Freien Punsch und Lebkuchen serviert worden. Beim Aufräumen sei das dabei verwendete Messer runtergefallen. „Ich habe es auf die nächstbeste Ablage gelegt, das war die Fensterbank.“

Laut „Süddeutscher Zeitung“ wurden an dem Messer bei ersten Untersuchungen nicht nur keine DNA-Spuren von Fremden gefunden. Es gebe auch keine Wisch- oder Schleifspuren, die erkennbar sein müssten, wenn der Täter das Messer mit einem Handschuh angefasst hätte. Das Blatt zitierte den Leitenden Oberstaatsanwalt Helmut Walch mit den Worten, das sei „merkwürdig“. Der Staatsanwalt verteidigte aber zugleich das Vorgehen der Ermittler. Sie hätten aufgrund der Hinweise des Opfers vor allem die rechtsradikale Szene im Visier gehabt, doch werde von Anfang an auch in andere Richtungen ermittelt. Walch wies zudem Hinweise auf eine Beziehungstat zurück. Gleichzeitig bekannte er, dass die Phantombilder, die zwei mögliche Täter aus der rechtsradikalen Szene zeigten, unbrauchbar seien. Man zweifle mittlerweile an der Beobachtungsgabe der Zeugin. Auch klagte Walch über das Schweigen der Nachbarn, die Angaben zu dem Attentat machen könnten. Viele von ihnen seien erst auf eine „scharfe zweite Befragung“ hin zu Aussagen bereit gewesen.

Mittlerweile hat das bayerische Landeskriminalamt die Ermittlungen übernommen. Ein LKA-Sprecher bittet um Verständnis dafür, dass diesmal striktes Stillschweigen bewahrt werde. Die Polizei habe aus der Anfangssituation des Falles in Passau gelernt, als eine elektrisierte Öffentlichkeit nach dem Anschlag schnell Ergebnisse sehen und praktisch minütlich auf dem Laufenden gehalten sein wollte. Also wurde auch von der Polizei aus quasi direkte Kommunikation angeordnet. Das könnte ein Fehler gewesen sein.

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