Fall Mannichl : Verdächtigtes Ehepaar kommt frei

Nach dem Anschlag auf den Passauer Polizeichef Mannichl tappen die Behörden weiter im Dunkeln. Die einzigen Verdächtigen, ein Mann und eine Frau, wurden nun wieder freigelassen. Unterdessen fordert die Polizeigewerkschaft mehr "Internetpolizisten" um gegen rechte Hetzerei zu ermitteln.

Mannichl
Alois Mannichl. Der Passauer Polizeichef wurde Opfer eines Anschlags. -Foto: dpa

Passau/Berlin Zehn Tage nach dem Attentat auf den Passauer Polizeichef Alois Mannichl ist das unter dem Verdacht der Beihilfe zum versuchten Mord verhaftete Ehepaar wieder frei. Der Verdacht habe nicht aufrechterhalten werden können, sagte ein Polizeisprecher am Dienstag in Passau. Die 22 Jahre alte Frau und der 33 Jahre alte Mann, die der rechtsextremen Szene zugerechnet werden, waren bisher die einzigen Verdächtigen in dem Fall. Mannichl war am 13. Dezember vermutlich von einem Neonazi niedergestochen worden.

Nach dem Attentat hat die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) unterdessen spezialisierte Kriminalbeamte für die Jagd auf Extremisten im Internet gefordert. Bund und Länder müssten dafür 500 Experten zur Verfügung stellen, erklärte der DPolG-Bundesvorsitzende Rainer Wendt.

Staatsschutzabteilungen haben nicht genug Personal für Internetermittlungen

Mannichl war am 13. Dezember vermutlich von einem Neonazi vor seinem Haus in Fürstenzell niedergestochen worden. Auf den Internetseiten von Rechtsextremisten war monatelang gegen den Polizeidirektor unter anderem von der NPD gehetzt worden.

Häufig seien die Staatsschutzabteilungen in den Polizeibehörden "personell ausgeblutet" und könnten nicht auch noch im Internet ermitteln, sagte Wendt. "Das Internet ist der größte Tatort der Welt, das gilt auch für politisch motivierte Kriminalität." Wichtig seien insbesondere Recherchen unabhängig von konkreten Straftaten, dies gebe es bislang aber kaum, kritisierte der Gewerkschaftschef.

Eine 50 Beamte umfassende Sonderkommission fahndet in ganz Deutschland und Österreich nach mehreren Männern mit auffälligen Tätowierungen. Am Montagabend hatten mehr als 500 Menschen in Fürstenzell mit einer stillen Lichterdemonstration gegen Rechtsextremismus protestiert. (jg/dpa)

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