Fall Politkowskaja : "Wir wissen, wer der Killer ist"

Die Ermittler im Fall der ermordeten russischen Journalistin Anna Politkowskaja haben weitere Festnahmen von Verdächtigen angekündigt. Zuvor war die Arbeit der Beamten stark kritisiert worden. Zweifel, dass der Fall jemals vor Gericht kommt, bleiben.

MoskauDas Verbrechen sei im Grunde aufgeklärt, sagte der Chefermittler Petros Garibjan in einem Interview der regierungskritischen Zeitung "Nowaja Gaseta". Die Zeitung widmete ihrer vor einem Jahr erschossenen Kollegin die Titelgeschichte. "Die Liste der Verdächtigen ist noch nicht geschlossen", sagte Garibjan. Zwischen den Verdächtigen - vom Auftraggeber über die Mittelsmänner bis hin zum Mörder - müssten noch die einzelnen Verbindungen rekonstruiert werden. Zudem würden "handfeste Beweismittel" erarbeitet.

Fragwürdige Ermittlungen

Die Fahnder waren unter anderem kritisiert worden, weil sie Ermittlungsdetails und Namen von Verdächtigen bekanntgegeben hatten. Die Zeitung "Nowaja Gaseta" warf der Generalstaatsanwaltschaft mutwillige Zerstörung des Verfahrens vor. Generalstaatsanwalt Juri Tschaika hatte bereits Ende August verkündet, der Fall sei gelöst. Hinter dem Mord stünden Kriminelle aus Tschetschenien. Russische Medien berichteten jedoch über zahlreiche Pannen bei der Aufklärung des Verbrechens.

"Wir wissen, wer der Killer ist", sagte Garibjan der Zeitung. Das Strafverfahren gegen den Mann sei bislang nicht eingeleitet. Nähere Angaben machte Garibjan aus Ermittlungsgründen nicht. Strafverfahren liefen derzeit gegen elf Verdächtige, von denen zehn in Untersuchungshaft sitzen. Die Ermittler gingen weiter davon aus, dass Politkowskaja wegen ihrer kritischen Berichte und aus politischen Motiven am 7. Oktober 2006 kurz vor ihrer Wohnung getötet wurde.

Pressefreiheit in Russland gefordert

Zum ersten Todestag von Politkowskaja hatten am Sonntag hunderte Menschen in Russland und im Ausland an die "Kämpferin für Gerechtigkeit" erinnert. Bei Kundgebungen forderten sie Pressefreiheit in Russland sowie die Aufklärung des Mordes. Allerdings äußerten Menschenrechtler Zweifel, dass der Fall jemals vor Gericht komme. Politkowskaja hatte sich vor allem durch ihre Berichterstattung über Mord, Entführungen und Folter in der von moskautreuen Kräften kontrollierten Teilrepublik Tschetschenien einen Namen gemacht. (mit dpa)

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