• Falsche Behauptung des russischen Präsidenten: Putins Sprecher entschuldigt sich bei "SZ"
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Falsche Behauptung des russischen Präsidenten : Putins Sprecher entschuldigt sich bei "SZ"

In seiner jährlichen Ein-Mann-Show im Fernsehen ist Wladimir Putin ein Fehler unterlaufen. Am Freitag entschuldigte sich deshalb sein Sprecher bei der "Süddeutschen Zeitung" und bei Goldman Sachs.

Gleich mehrere landesweite Fernsehkanäle übertragen am Donnerstag die fast vierstündige Show "Direkter Draht" live. Foto: REUTERS
Gleich mehrere landesweite Fernsehkanäle übertragen am Donnerstag die fast vierstündige Show "Direkter Draht" live.Foto: REUTERS

Wenn Wladimir Putin zum Volk spricht, läuft die vom Kreml kontrollierte Medienmaschinerie auf Hochtouren. Gleich mehrere landesweite Fernsehkanäle übertragen am Donnerstag die fast vierstündige Show "Direkter Draht" live. Auch im Rundfunk und im Internet ist Russlands Präsident in voller Länge zu hören. Ernst, bisweilen mit gezwungenem Lächeln stellt sich der 63-Jährige in seiner Bürgersprechstunde den Fragen der Nation. Zum 14. Mal seit 2000. Mehr als drei Millionen Fragen gehen diesmal ein. Doch gerade einmal auf 80 davon gibt es Antworten.

Putin hat dabei Vorwürfe im Zusammenhang mit den „Panama Papers“ als westliche Provokation verurteilt. „Wir wissen, dass Mitarbeiter der amerikanischen Institutionen damit zu tun haben“, sagte Putin. Mit "amerikanischen Institutionen" meint Putin offenbar US-Stiftungen und den Milliardär George Soros, die die internationalen Rechercheverbünde ICIJ und OCCRP unterstützen, die die Panama Papers auswerten. Dass Stiftungen die Rechercheverbünde unterstützen, war schon immer bekannt und wurde bisher von niemandem kritisiert. Konkret nahm Putin die „Süddeutsche Zeitung“ ins Visier. Die „Süddeutsche“ gehöre zu einer Holding, die ihrerseits dem US-Finanzinstitut Goldman Sachs gehöre, behauptete Putin. Das Blatt widersprach dieser Darstellung. „Die Süddeutsche Zeitung gehört weder direkt noch indirekt zu Goldman Sachs“, teilte Geschäftsführer Stefan Hilscher mit. Das Blatt sei eine 100-prozentige Tochtergesellschaft des Süddeutschen Verlags, der mehrheitlich zur Südwestdeutschen Medienholding gehöre, sagte er.

Am Freitag entschuldigte sich die russische Regierung für die falschen Behauptungen. Staatschef Wladimir Putin habe die Vorwürfe erhoben, weil er von seinen Mitarbeitern falsch unterrichtet worden sei, sagte Präsidialamtssprecher Dmitri Peskow. Putin habe eine unbestätigte Information erhalten, die nicht richtig überprüft worden sei. "Es ist mehr der Fehler derjenigen, die die Informationsunterlagen vorbereitet haben, also mein Fehler", sagte Peskow. Russland entschuldige sich bei der Zeitung und bei Goldman.
Laut "Spiegel-Online" könnte es sein, dass Putins Leute auf eine falsche Formulierung auf der englischen Wikipedia-Seite hereingefallen sind. Dort steht unter Berufung auf "Focus", dass am Kauf der "Süddeutschen Zeitung" auch der Verleger Dieter von Holtzbrinck beteiligt gewesen sei, mit Unterstützung von Goldman Sachs. Das ist falsch. Holtzbrink war zwar Kaufinteressent gewesen, hatte das Blatt dann aber nicht gekauft.

Aber die Panama Papers waren nicht das Wichtigste, was Putin beschäftigte. Wegen der schweren Krise im Land ist die Lage ernst. Das gesteht auch Putin ein. Ob die Stimmung in der russischen Wirtschaft "schwarz oder weiß" sei, wird er gefragt. "Grau" lautet seine Antwort. Dann gibt es aber die üblichen aufmunternden Worte: Die Talsohle der Krise sei wohl überwunden, für 2017 gingen Experten von einem Wachstum vom 1,4 Prozent aus.

Zuschauer quittieren die Floskeln ihres Präsidenten mit Schweigen

Aber die Zuschauer unter dem imposanten Glasdach des Handelshofs Gostiny Dwor quittieren die Zuversichtsfloskeln ihres Präsidenten oft mit Schweigen.

Die TV-Show ist vor allem als Ventil für viele Russen angelegt. Sie sollen ihren Frust abladen. Eine Frau in der sibirischen Millionenstadt Omsk beklagt Schlaglöcher in den Hauptstraßen. Auch der Bau einer U-Bahn verzögere sich seit Jahren. Putin verspricht Hilfe - und kurz darauf berichten Staatsmedien vom Versprechen der Omsker Behörden, die Straßen bis zum 1. Mai in Ordnung zu bringen.

Auch großzügige Finanzversprechen für sozial schwache Bürger vergisst Putin nicht. Leere Kassen? Kein Hindernis. Das "Winken mit dem Füllhorn" ist nicht neu, macht sich aber vor der Parlamentswahl Mitte September besonders gut. Kremlkritiker verhöhnen die alljährliche Talkshow schon lange als "Dauerwerbesendung".

Die Fragen folgen der gewohnten Choreographie: Handverlesene Gäste dürfen mit Putin im Studio sitzen. Und immer wieder schaltet das Staatsfernsehen in Orte des Riesenreichs, wo sich ein Arbeiterkollektiv vor ausgesuchtem Hintergrund aufgestellt hat: etwa auf der einverleibten Schwarzmeer-Halbinsel Krim oder in einer Waffenfabrik in Tula. Routiniert spult Putin seine Positionen ab.

Ein zwölfjähriges Mädchen bringt Putin kurz aus dem Konzept

Ein zwölfjähriges Mädchen bringt Putin kurz aus dem Konzept mit einer unerwartet direkten Frage zur großen Weltpolitik. Würde er die Präsidenten Petro Poroschenko (Ukraine) und Recep Tayyip Erdogan (Türkei) vor dem Ertrinken retten, fragt das Kind. Putin legt die Stirn in Falten, windet sich kurz auf seinem Stuhl. "Wir sind immer bereit, die Hand der Freundschaft zu reichen. Aber wenn jemand beschlossen hat zu ertrinken, ist ihm nicht mehr zu helfen." Die Zuschauer lachen. Oft gibt sich Putin als einfacher Mann, der die Sprache des Volkes spricht - auch das ist ein bewährter Schachzug.

Jedoch ist vereinzelt auch Kritik zu hören. "Wir reden mit Ihnen jedes Jahr, aber das Leben wird nicht besser", schreibt etwa ein frustrierter Zuhörer in einer im Fernsehen eingeblendeten SMS. Der Kremlchef lächelt solche Angriffe weg, bittet um Geduld für seine Regierung: der Anti-Krisen-Plan stehe jetzt erst richtig, brauche aber seine Zeit, um in die Tat umgesetzt zu werden.

Zwischendurch gibt Putin einen seltenen Einblick in sein Privatleben

Da wirkt der mächtigste Mann Russlands fast erleichtert, als es um den Konflikt mit der Ukraine, das zerrüttete Verhältnis zum Westen und andere außenpolitische Themen geht. Erst da teilt er in gewohnt schlagfertiger Manier aus. Scharf wirft der Staatschef der türkischen Führung vor, einen Bürgerkrieg gegen Kurden zu führen. Der Westen schaue über die Gewalt hinweg. Da ist Putin wieder in seinem Element. Empört weist er Vorwürfe im Zusammenhang mit den "Panama Papers" zurück. Die Enthüllungen über Offshore-Konten seien eine Provokation. "Damit haben Mitarbeiter der amerikanischen Institutionen zu tun", behauptet der Präsident - und meint wohl den US-Geheimdienst CIA.

Zwischendurch gibt Putin einen seltenen Einblick in sein Privatleben. Ja, er treffe seine frühere Ehefrau Ljudmila manchmal, sagt der Geschiedene. Ihr gehe es gut, ihm gehe es gut. Und er wisse auch, was über seine angeblichen Affären in den Zeitungen stehe. "Ich weiß aber nicht, ob ich jetzt solche Fragen in den Vordergrund stellen würde", sagt der Kremlchef mit festem Blick in die Kamera. Irgendwann werde er über sein Privatleben sprechen. Die Menschen hätten ihn aber gewählt, damit er sich um andere Dinge kümmert. Etwa um den Ölpreis. (dpa)

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