Falscher Islamalarm : Gebt den kleinen Sternsingern eine Spende

Angeblich wollte das Brandenburger Bildungsministerium keine Sternsinger reinlassen. Früher hätte die Nachricht niemanden interessiert. Jetzt gibt es gleich Islamalarm. Dabei ist alles halb so wild. Eine Glosse.

Sind die nicht süß? Sternsinger.
Sind die nicht süß? Sternsinger.Foto: dpa

Die Sache mit den Religionen wird immer schwieriger, und jeder kann mitzündeln. Irgendwo wird irgendwas behauptet – Kreuzberg will Weihnachten verbieten! – und rauscht in Millisekunden durch die Schlagzeilen und Online-Foren, die CSU lässt ihren jeweiligen Generalsekretär in aller Form explodieren. Bei genauerem Hinsehen erweist sich der Anlass später als banal, vernünftig, missverständlich oder dumm, wird erklärt und differenziert und dementiert, aber das kriegt in der breiten Öffentlichkeit niemand mehr mit. Und so werden sie vermutlich auf einschlägigen Demos noch in zehn Jahren behaupten, dass Kreuzberg Weihnachten verbieten wolle.

Neuer Fall: Angeblich will Brandenburgs Bildungsministerium den niedlichen Sternsingern an den Kragen, sie am heutigen Dreikönigstag nicht mehr empfangen, wie es Brauch ist. Vor zehn Jahren wäre das eine unbeachtete Banalität geblieben, heute facht es die hysterische Debatte an – Islamisierungsalarm!

Und es stimmt ja auch nicht mal. Offenbar hat der sehr säkular gestimmte Personalrat des Ministeriums im vergangenen Jahr gemäkelt, dass das mit den Sternsingern eine „Vereinnahmung“ der Öffentlichkeit zu religiösen Zwecken sei, was man nachvollziehbar, instinktlos oder auch bekloppt finden mag, je nach Standpunkt, aber das war es dann auch schon. Wenn also heute Vormittag die Sternsinger, die bekanntlich Geld für soziale Projekte sammeln, am Potsdamer Bildungsministerium Einlass begehren, dann werden sie reingelassen, und das ist dann auch schon die ganze Geschichte. Und wenn die drei Kinder heute bei Ihnen vorbeischauen, dann spenden Sie was, das mag religiöse Vereinnahmung sein, ist aber viel besser als die gottfreie Erpressung zu Halloween.

Fassen wir also noch einmal zusammen: Niemand will das Christentum und seine Bräuche aus Deutschland vertreiben, nicht die Brandenburger und auch nicht die Kreuzberger. Und dass es schwer sein dürfte, morgen auf deutschem Boden noch Weihnachtsmärkte aufzutreiben, liegt nicht an der schleichenden Islamisierung, sondern daran, dass Weihnachten vorbei ist.

Am 6.Januar findet übrigens auch in diesem Jahr wieder das Dreikönigstreffen der FDP statt. Aber das ist nun wirklich eine ganz andere Geschichte.

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