Politik : Falscher Vogel

An Thanksgiving trug Präsident Bush in Bagdad filmreif das Essen auf – doch der Truthahn war nur Dekoration

Malte Lehming[Washington]

Es ist nicht alles knusprig, was goldbraun glänzt. Die Blitzvisite von US-Präsident George W. Bush nach Bagdad – der Truthahn-Thanksgiving-Trip – hat ein pikantes Nachspiel. Ein Foto ging um die Welt. Es zeigt Bush, umringt von Soldaten, mit einem großen Tablett, auf dem ein Truthahn liegt. Die Szene suggerierte: Er ist einer von uns, hilft beim Austragen des Essens. In Amerika kam das an. Die Popularitätswerte von Bush schnellten in die Höhe.

Am Donnerstag nun enthüllte die „Washington Post“, was wirklich geschah. Der Truthahn war reine Dekoration. Zum Verzehr nicht gedacht. Das Tablett stand an der Seite einer Schlange von Soldaten, die ihre Thanksgiving-Portion an der Kantine abholen wollten. Bush hatte es sich gegriffen, um sich kurz für Fotografen zu postieren. Das Weiße Haus bestreitet, dass das Bild arrangiert worden sei. Dennoch, schreibt die Zeitung, würden sich erneut Fragen der Glaubwürdigkeit des Präsidenten stellen.

Die Kunst der Selbstinszenierung hat Bush perfektioniert. Keiner seiner Auftritte wird dem Zufall überlassen. Anfang Mai war er, verkleidet als Kampfpilot, auf dem Flugzeugträger „Abraham Lincoln“ gelandet. Perspektivisch brillant prangte ein Banner mit der Aufschrift „Mission Accomplished“ (Auftrag erfüllt) über der Szene. Das war etwas voreilig. Das Banner, behauptet Washington jetzt, sei eine Idee der Soldaten gewesen. Wer die Idee mit dem Truthahn hatte, ist nicht bekannt.

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